Wenn die Welt Kopf steht. Wenn ein Riss durch das eigene Leben geht. Wenn oben und unten vertauscht sind. Krisen in unserem Leben, viele von uns kennen das, haben es selbst miterlebt, der Tod eines lieben Menschen, eine schwere Krankheit, Schwierigkeiten in der Partnerschaft, der Verlust des Arbeitsplatzes usw. Dann erleben wir auch Menschen, die nicht vor uns und unseren Problemen weglaufen, sondern die zu uns kommen. Die helfen wollen. Sie setzen sich in Bewegung und fahren sofort los, wenn sie gebraucht werden. Sie reichen uns die Hand, wenn wir drohen zu fallen. Aus meiner Arbeit, als Heilerziehungspfleger in der Behindertenhilfe, im Umgang mit den Betroffenen, den Familienangehörigen, den Freunden und den Mitarbeitern in der Einrichtung kann ich viele Geschichten erzählen, die ich erlebt habe und auch einige, aus denen ich auch gerne mal fliehen wollte. Doch ich bin geblieben, habe angepackt, zugehört und ausgehalten. Warum? Weil ich etwas von der Nächstenliebe gehört habe. Weil der Mensch, der mir gegenübersitzt, die gleiche Liebe verdient hat, die ich mir auch wünsche. Und das, egal welcher Herkunft, sexuellen Orientierung, Weltanschauung oder Hautfarbe. Es geht einfach um ein Miteinander.
Seit fast acht Jahren bin ich als hauptamtlicher Diakon in Ostfriesland tätig und arbeite in einer Kirche, die für das Miteinander in der Gesellschaft eintritt und von einer Nächstenliebe spricht, die jedem zusteht. Als Vorbild: Jesus. Er hat uns das vorgelebt. Er hat jeden Menschen angesehen, ohne Wenn und Aber. Gerade die, die in der Gesellschaft einen schweren Stand hatten, die einsam waren und nicht dazugehört haben. Und das ist auch in Krisensituationen so, wenn ich keine Hilfe erfahre, dann fühle ich mich schwach und ausgeschlossen, wenn die Welt sich weiterdreht. Und dann kommen Menschen und reichen mir die Hand und halten mich und helfen mir.
Am 11.11. begehen wir den Gedenktag des Heiligen Martin von Tours. Dieser hat sich in seinem späteren Leben für die Menschen am Rande der Gesellschaft eingesetzt und selbstlos geholfen. Überliefert ist vom ihm die Legende, wie er seinen Mantel mit einem Bettler teilt, damit dieser nicht erfriert. Mich treibt dieses Vorbild an, Gutes zu tun. Und, es gibt sie auch bei uns in den Gemeinden, die vielen kleinen „Martins“, die genau darin ihre Aufgabe sehen und das freut mich. Einfach mal sein wie St. Martin – wer es noch nicht probiert hat, probiere es aus - es lohnt sich, denn du wirst merken, wie dein Herz aufgeht.
Diakon Jürgen Scholz, Pfarrbeauftragter der Kath. Kirchen
Overledingerland