Noch einmal Lichter, Musik und den Duft von gebrannten Mandeln aufsaugen, der über dem Gallimarkt liegt. Morgen ist der letzte Tag. Montag werden Lichterketten abgenommen, Kabel zusammengerollt, Buden abfahrbereit gemacht und Fahrgeschäfte zerlegt. Wo eben noch Musik über den Platz schallte klappert nur noch Metall. Die Herolde kommen erst in einem Jahr zurück. Der Alltag ist wieder da, und mit ihm das letzte Quartal des Jahres. Der nächste große Markt in Leer ist schon der Weihnachtsmarkt. Die Termine häufen sich, vieles soll vor dem Jahresende noch fertig werden. Also noch einmal Gas geben, bevor es dann besinnlich werden darf.
Diese Stimmung kenne ich aus einer Geschichte im Lukas Evangelium (Lk 10,38-42). Jesus ist bei Marta und Maria zu Gast. Marta sorgt dafür, dass alles läuft: Essen, Betten, Gastfreundschaft. Maria setzt sich zu Jesus und hört zu. Irgendwann platzt es aus Marta heraus: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“.
Ich verstehe Marta gut. Eine muss ja einkaufen, die Wäsche aufhängen und an den Termin denken. Ohne Menschen wie sie gäbe es um zwölf Uhr kein Mittagessen auf dem Tisch. Ohne Menschen wie sie gäbe es keinen Gallimarkt. Die Schausteller:innen, die auf- und abbauen und dafür sorgen, dass der Markt zum Erlebnis wird.
Jesus ruft ihren Namen, zweimal:. „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not.“ Bevor er irgendetwas sagt, sieht er sie. Mitten im Hin und Her, die Krüge in der Hand. Und was „not“ ist, ist keine weitere Aufgabe. Es ist er selbst: Dass er da ist, bei ihr, in diesem Moment. Maria hat das verstanden.
Das Ende der Liste erreichen wir nicht, weder im Oktober noch im Dezember. Kaum ist etwas abgehakt, wartet das Nächste. Mitten in dieser inneren Getriebenheit ist einer, der auf dich schaut. Er wartet nicht, biss alles geschafft ist. Er kommt vorbei, wenn das Geschirr noch neben der Spüle steht. Diese Unruhe schließt ihn nicht aus. Wenn sich am Montag der Gallimarktsplatz leert, geht das Jahr weiter, und die Wochen bis Weihnachten füllen sich. Du gehst nicht allein in sie hinein. Einer ist schon da und sieht mich an, bevor ich irgendetwas geschafft hast. Gott segne dich und deine Tage bis zum Jahresende. Amen.
Pastorin Martina Neubarth
Dreieinigkeits-Kirchengemeinde Rhauderfehn