In einem Restaurant, das ich besuche, sitzt ein Paar. Die beiden werden Ende zwanzig sein. Nachdem die Kellnerin die Bestellung aufgenommen hat, holen beide ihre Handys aus der Tasche. Während sie auf das Essen warten, sehen sie auf den Bildschirm. Sie reden kein Wort miteinander. Auch während des Essens wird das Handy immer wieder in die Hand genommen, etwas angesehen, gewischt oder getippt. Ein Gespräch findet nicht statt, es wird nicht einmal gefragt, ob das Essen schmeckt. Ist das ungewöhnlich? Leider nein, ich erlebe das oft, bei Paaren, Freundeskreisen, und bei Cliquen von Jugendlichen. Und Sie kennen das sicher auch.
In der Tagesschau letzte Woche kommt ein Kinderarzt zu Wort. Zu seinen Aufgaben gehört es, den Entwicklungsstand von Kindern zu untersuchen. Er fragt die Kinder, wie viel Zeit sie an Handy, Computer oder Fernseher verbringen. Er erzählt von einem Kind, etwa fünf Jahre alt, das elf Stunden am Tag am Bildschirm verbringt. Tagsüber Handy, abends Fernseher. Was den Kinderarzt dabei am meisten erstaunt, ist die Reaktion des anwesenden Elternteils. Das sieht kein Problem bei der Sache.
Es ist schwierig, Eltern zu sagen, wie viel Handy, Computer oder Fernsehen sie ihren Kindern erlauben sollen. Aber ich frage mich, wie viel Gemeinschaft haben die Eltern mit einem Kind, das elf Stunden täglich am Bildschirm ist? Was verbindet sie? Was haben die voneinander?
Das Wort Gemeinschaft kommt im Alten-, aber vor allem im Neuen Testament oft vor. Es ist ein Begriff für Zusammengehörigkeit. Gemeinschaft, könnte man sagen, haben Leute, die zusammen „an einem Strang ziehen“. Die sich gemeinsam für ein Ziel einsetzen oder gemeinsam Freude an etwas haben. Gemeinschaft haben Menschen, die füreinander da sind. Gemeinschaft, nicht für sich zu sein, ist die Grundlage menschlichen Zusammenlebens. Der Mensch lebt durch Beziehungen.
Die Tochter und die Enkelkinder einer Kollegin leben in Amerika. Sie sieht die Familie nur selten, immerhin gibt es gelegentlich ein „Sehen und einen Austausch“ am Bildschirm. Aber, so sagt sie, nichts kann wirkliche Nähe ersetzen. Sich zu berühren, gemeinsam zu kochen, zu essen oder etwas zu unternehmen, das ist wirkliche Nähe.
Auch das Wort Gemeinde kommt von Gemeinschaft. Ohne sie ist Glaube nicht möglich. Das sich vertrauen, das einander helfen und einander beistehen ist Ausdruck der Gemeinschaft am Evangelium, wie Paulus es nennt. Eine Gemeinde von Gleichgesinnten. Zusammenhalt. Wie gut, dass es das gibt. Ich wünsche Ihnen viele gute Erfahrungen in dieser Gemeinschaft.
Pastor i.R. Hartmut Kutsche