Foto: fentjer
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Fragen an einen Schutzengel - 4.7.2026

Foto: H.Baller

Ich habe mal gelesen, dass jedem Menschen ein Schutzengel zugeteilt sei, mitgegeben auf den Lebensweg, der zu gehen ist. Und ich denke: Schön. Gut. Danke.

Ich habe aber auch Fragen, als Einstieg vielleicht flapsighumorvoll, ob Engel auch Fußball gucken, denn Einfluss nehmen sie ja offensichtlich bei Neuer und Co nicht. Wahrscheinlich würde ich schnell tiefgehend, persönlich fragen: Wo warst du? Wo warst du als ich dich dringend brauchte? Hast du verschlafen? Warst du zu müde? Hast du mich nicht gefunden? Wo warst du? Du hast diese eine Aufgabe: zu schützen. Und dann tust du es nicht? Dann darf das alles passieren? Wo ist denn der Schutz, Engel? 

Jemand ist plötzlich nicht mehr da, wo wart ihr, ihr Schutzengel? Habt ihr eigentlich Kontakt untereinander? Wisst ihr eigentlich, welche und wie viele Auswirkungen es hat, wenn ein Schutzengel mal nicht schützt? Ihr habt diese eine Aufgabe: zu schützen. Und dann tut ihr es nicht? 

Menschen haben Schmerzen - körperlich, psychisch, seelisch. Es gibt so viele unerfüllte Sehnsüchte und Hoffnungen und die werden ausgelacht und weggeschickt und das darf alles so sein? Wo ist denn der Schutz, Engel? Ihr habt diese eine Aufgabe: zu schützen. Und dann tut ihr es nicht? Oder gibt es nur ein bestimmtes Kontingent an Schützenswertem pro Tag, pro Woche, pro Leben? War das Kontingent aufgebraucht? Oder hattet ihr alle Urlaub? Gibt es euch überhaupt?

Das wären derzeit meine Fragen an meinen Schutzengel oder auch an Gott. Welche Fragen beschäftigen dich in diesenTagen? 

Auf vieles wird es vermutlich keine Antwort geben, aber vielleicht kommt es auch eher darauf an, dass die Fragen gestellt werden dürfen. Wo Fragen gestellt werden, können sich Perspektiven ändern. Wo keine Fragen erlaubt sind, sei vorsichtig. Vielleicht kommt es darauf an, zu hoffen, zu ahnen, zu glauben, dass Engel da sind, dass sie uns behüten, wie es in Psalm 91 heißt. Vielleicht bedeutet dieses “behüten”, dass sie darauf hinweisen, dass Gott da ist und bleibt, gerade wenn es sehr schlimm ist. Vielleicht bedeutet es, dass Gott mit uns aushält und mit uns weint und fragt und klagt und dann, irgendwann, mit uns weitergeht. Ich frage abschließend: Ist es vielleicht so, dass die Gegenwart Gottes, die Anwesenheit eines Engels und das Mitgefühl von Gott, Engel und Menschen hilft, tröstet, rettet? Ist das dein Schutz, Engel?

Fragen helfen, Perspektiven zu ändern. Mit dieser neuen Perspektive wünsche ich einen guten Wochenstart.

Holger Baller

Pastor der Ev. Gemeinschaft Rhauderfehn