Der morgige Sonntag ist der vierte nach Ostern und trägt im evangelischen Kirchenjahr den lateinischen Namen „Kantate“, zu deutsch „Singt“. Er ist benannt nach dem ersten Wort des 98. Psalms, der mit dem Satz „Singt dem Herrn ein neues Lied“ beginnt. Zentraler Inhalt vieler Gottesdienste an Kantate ist in den evangelischen Kirchen der Gesang zum Lob Gottes und die Wertschätzung des Gesangs und der Kirchenmusik. Vielerorts wird deshalb der Sonntag Kantate als musikalisch besonders gestalteter Gottesdienst begangen, auch bei uns in Idafehn.
Im Alltag ist das mit dem Singen allerdings so eine Sache. Wenn Chöre nach Sängerinnen und Sängern suchen, haben sie es oft schwer. Viele sagen dann, „nein, tut mir leid, aber ich kann nicht singen“. Wenn man Konfirmanden und Jugendliche fragt, wie sieht es bei euch aus, singt ihr eigentlich gerne, dann verneinen das ebenfalls viele. Was aber nicht heißt, dass sie es nicht können. Nicht selten beobachte ich z.B. vor unserer Kirche, wie Konfis Lieder nachsingen, die sie gerade auf Tiktok oder Spotify gehört haben, nicht selten ihre Lieblingssongs. Und so manchmal hat dann der, der im Gottesdienst bei den Liedern gar nichts oder nur ein piepsen hervorbringt, auf einmal eine wunderbare Stimme. Wenn man das dann aber lobt, wird es oft zurückgewiesen, „stimmt gar nicht, ich kann nicht singen“. Viele sind dann Meister im Tiefstapeln.
In Schweden gibt es übrigens seit Jahren eine Bewegung, die sich die „Wir-können- nicht-singen-Chöre“ nennen, ein Sammelbecken für Leute, die tatsächlich nicht die besten Sängerinnen und Sänger sind, die aber sehr erfolgreiche Tourneen absolvieren, u.a. weil gute Chorleiter es schaffen, über das Kollektiv tolle Ergebnisse zu präsentieren.
Wie aber auch immer es bei uns ist, ob wir gute Sängerinnen und Sänger oder eher mittelmäßig begabte sind, ob wir gerne Musik hören oder selten, auf Gesang und Musik liegt die Verheißung des Segens Gottes, weil sie uns aufbauen. Im Epheserbrief im Neuen Testament heißt es: „Ermuntert einander mit Psalmen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus (Eph 5,19). Und Martin Luther hat einmal gesagt: „Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich. Es fließt mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik, die mich so oft erquickt und aus großen Nöten errettet hat.“
Ich wünsche uns allen einen gesegneten Sonntag Kantate. Und dass Musik und Gesang, besonders zur Ehre Gottes, uns auch in der kommenden Zeit stärken, aufbauen, trösten und dankbar machen.
Pastor Florian Bortfeldt, Idafehn