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Die Soeste in Barßel – Jordan Holiday@pixabay

Knappheit bedeutet nicht das Ende - 24.01.2026

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute haben wir aus dem Vollen geschöpft. So könnte vor 2000 Jahren die Hochzeitsgesellschaft zu Kana gesprochen haben (Johannes 2,1–11). Eine Woche lang sollten Festlichkeit, Freude und Gemeinschaft im Überfluss fließen. Doch dann der Schock: Ein Mangel an Wein drohte das Fest zu trüben und das Ansehen der Gastgeber zu beschädigen. In einer Zeit, in der Hochzeiten große Ereignisse waren und Wein Symbol für Freude und Zusammenhalt war, war dieser Mangel ernst. Eine schnelle Lösung war nötig. Jesus, der als Gast zur Hochzeit nach Kana kommt, reagiert nicht ablehnend, sondern handlungsbereit. Seine Mutter bittet ihn, den Mangel zu beheben. Er erfüllt diese Bitte und verwandelt Mangel in Überfluss. Jesus lässt sechs Gefäße mit Wasser füllen. Als die Diener daraus schöpfen, ist das Wasser zu köstlichem Wein geworden. Aus Knappheit wird Überfluss, aus Sorge Freude. 

Auch heute erleben wir, trotz materiellen Wohlstands, Momente, in denen uns etwas Wesentliches fehlt. Oft sind es keine Dinge, sondern persönliche Bedürfnisse: Liebe, Anerkennung, Geborgenheit. Solche Momente der Knappheit fordern uns heraus, die Hoffnung nicht zu verlieren. Die biblische Geschichte erinnert daran, dass ein Mangel nicht das Ende der Geschichte sein muss. Hoffnung kann wachsen, selbst dort, wo sie kaum noch erwartet wird. 

In einer Welt, die vielfach im Überfluss lebt, liegt es nahe, den eigenen Überfluss zu nutzen, um anderen zu helfen. Ein praktischer Ausdruck hierfür ist, dass Ehrenamtliche in unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft Zeit, Liebe, Hilfe und Ressourcen investieren. In der vergangenen Woche herrschte an vielen Orten ein Mangel an warmen Orten. Menschen haben nicht weggeschaut, sondern sie haben gehandelt, indem sie vielerorts warme Schutzräume geschaffen haben. Immer wieder berichten auch diese Zeitung und andere Medien davon, wie sich Menschen aus unserer Region in Kirchen, Organisationen und Vereinen für andere engagieren. In solchen Geschichten wird Mangel in Fülle verwandelt.

In der Erzählung von der Hochzeit zu Kana steht der Wein symbolisch für eine Fülle, die Gott in unser Leben bringen möchte. Wir können in Zeiten des Mangels darauf vertrauen, dass Gott aktiv eingreift. Auch wenn er nicht immer sofort handelt, kann ich mich darauf verlassen, dass er uns sieht. Wenngleich sich Lösungen nicht immer sofort zeigen, bleibt die Zusage bestehen, dass Knappheit nicht das Ende bedeuten muss. Gleichzeitig sind wir eingeladen, verantwortungsvoll mit dem umzugehen, was uns anvertraut ist, und den Blick für diejenigen nicht zu verlieren, denen es gerade fehlt. So kann aus dem, was wir haben, Segen werden – für uns selbst und für andere.

Lars Redemske

Lektor Kirchengemeinde Ostrhauderfehn/Holterfehn