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Die Soeste in Barßel – Jordan Holiday@pixabay

Warum? – 17.01.2026

Kloster Nütschau, Schleswig Holstein, Foto: Holger Baller

Warum. Eine Frage, die Kinder im Entdeckungsalter immer und immer wieder stellen können. Eine Frage, die witzige Wortspiele einleitet, wie: Warum geht eine Glühbirne zum Arzt? Sie hat Lampenfieber. 

Aber auch eine Frage, ein einzelnes Wort, mit dem sehr viel tiefer, innerer Schmerz ausgedrückt werden kann. Vermutlich steht es auch über Abschnitte unseres Lebens, die wir nicht erklären können, es steht über Situationen, in denen auf einmal alles anders wurde und wir wissen nicht, warum. 

Das Fragewort markiert einen Riss, der wohl durch uns alle geht und meist sprechen wir es nicht aus, es ist eher eine Frage für Selbstgespräche: Unser heutiges Ich wirft dem früheren Ich die Entscheidungen der Jugend vor: „Warum?“ Die Gefühle werfen dem Verstand vor, dass er uns nicht mehr Kind sein lässt: „Warum?“ Die Freiheit beschuldigt die Verantwortung wegen der vielen täglichen Pflichten: „Warum?“ Am lautesten beklagt sich die Person, die wir gerne wären, bei der, die wir tatsächlich sind: „Warum?“ 

Und am zähesten wehrt sich das Leben gegen den Tod. 

Ganz ernst, sieht man oftmals auch ein kleines Pappschild, handschriftlich auf Plätzen oder an Orten, wo gerade etwas Schreckliches passiert ist. Ein Wort als tiefe Frage: Warum? Auch manche Traueranzeige ist überschrieben mit: Warum? 

Es gibt dann kaum zufriedenstellende Erklärungen oder Antworten.

Es gibt Situationen, die wir nicht ändern können, die wir nicht erklären können, die wir nicht verstehen können, gerade dann nicht, wenn plötzlich und unerwartet etwas geschehen ist. 

Wenn mit diesem einen Wort die Frage des Lebens gestellt ist, die derzeit keine Antwort hat, helfen auch nicht Antwortversuche, da helfen meist keine Worte. 

Vielleicht trösten dann eher das Mitfragen und das Mittragen von Unverständnis über die Situation. Vielleicht gibt es hoffnungsvolle Zuversicht, wenn andere in ähnlichen oder auch anderen Situationen, die gleiche Frage gestellt haben. Vielleicht ist es diese Verbundenheit im Fragen, die hilft. 

Von Jesus wird berichtet, dass auch er diese Frage stellt: Warum? Warum, Gott, hast du mich verlassen? 

Weihnachten ist noch nicht lange her, Gott als Baby, als Menschenkind in dieser Welt, das ist kaum zu glauben und immer wieder bedenkenswert. Aber vielleicht ist Gott, ist Jesus den Menschen mit dieser Frage, mit diesem Fragewort besonders nahegekommen!?

Tröstlich, wenn jemand die gleichen Fragen stellt.

 

Holger Baller, Pastor der Evangelischen Gemeinschaft Rhauderfehn