Vor drei Tagen war Aschermittwoch, das Ende der Karnevalszeit. Morgen ist der erste Sonntag der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. Es ist die Passionszeit, eine Vorbereitungszeit, eine Zeit der Besinnung und Erwartung, eine Zeit, um sich bewusst für Gott zu öffnen, ähnlich wie die jährliche Adventzeit vor Weihnachten. Invocavit, so der Name des morgigen Sonntags, ist lateinisch und bedeutet: „Er hat angerufen!“ Er, Gott, ist ein aktiver, auf mich zugehender Gott, ein Gott der Tat.
Das sagt uns auch die Jahreslosung 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5). Gott handelt und ich bin eingeladen zu sehen und zu staunen. Gott verspricht, alles neu zu machen, eine neue Welt zu schaffen. Eine Welt, die von Grund auf anders sein wird. Die Distanz zwischen Gott und Mensch wird aufgehoben sein. Tod, Krieg, Leid, Schmerz und Angst, all das wird es nicht mehr geben.
Das ist ja traumhaft, zu schön, um wahr zu sein? Nein, das ist Gottes Verheißung, seine Zusage, die steht. Und wir leben in dieser Erwartung. Und das heißt nicht etwa, Hände in den Schoß legen, es einfach geschehen lassen. Nein, das Warten auf diese neue Welt Gottes, ist ein aktives Warten. Ein Warten, das mit freudigen, vorbereitenden Tätigkeiten verbunden ist. Ganz so, wie es beispielweise vor einer Feier geschieht. Auch hier überlegen wir ja, einige Wochen zuvor, ob und wie und mit wem dieser Tag gefeiert wird.
Mit Jesus hat Gott sein Versprechen begonnen umzusetzen. Das Neue, der neue Himmel und die neue Erde, haben bereits begonnen. Gott lässt auch jetzt schon immer wieder etwas von seinem „Neu“ aufleuchten. Und wir dürfen dieses „Neu“ heute schon bruchstückhaft leben. Fehler verzeihen, miteinander reden, aufeinander zugehen. Neu denken, neu sehen, mich selber und die Welt mit Blick nach vorne.
Steffen Schmidt, Diplom Theologe / Prädikant
Collinghorst