Foto: fentjer
Foto: fentjer

Auf hoher See und vor Gericht … - 21.03.2026

dendoktoor@pixabay

… ist der Mensch in Gottes Hand“. Dieser Satz ist vielen Menschen bekannt. Ein Sprichwort ist das nicht, und auch nicht das, was man „Volksmund“ nennt. Ich glaube, man kann das Lebensweisheit nennen, entstanden in Momenten des Ausgeliefert-Seins. Er beschreibt, was Menschen in einer Lage empfinden, die sie nicht mehr selbst bestimmen können. Auf hoher See bestimmt die Natur über das Schicksal, vor Gericht sind es andere Menschen.

In diesem Satz werden Erfahrungen wiedergegeben.

Seefahrt war in früheren Jahrhunderten gefährlich. Schiffe waren noch vor hundert Jahren nicht  sicher, denken Sie an die Titanic. Das Rettungswesen steckte in den Kinderschuhen. Moderne Seenotrettungskreuzer gab es nicht. Ob und wie das Leben weitergeht, war ungewiss.

Die gleiche Erfahrung haben Menschen vor Gericht gemacht.  Vor Gericht zu stehen, dem Urteil anderer Menschen ausgeliefert zu sein, macht hilflos und macht Angst. Gerichtsurteile können Lebensläufe völlig verändern, nicht nur in der Vergangenheit, auch heute noch. Ich habe neulich mit jemandem gesprochen, der vor Gericht erscheinen muss. Er ist mehrfach ohne Führerschein gefahren. „ Es ging nicht anders“, sagt er, „ich musste meine Tochter von der Schule holen, sie sollte nicht alleine laufen“. Er hat mir erzählt, dass er wenig Schlaf findet, sich Sorgen macht und Angst hat, zu einer Haftstrafe verurteilt zu werden. Er ist alleinerziehend. Was wird aus seiner Tochter?

Ich weiß, dass viele Menschen im Augenblick verunsichert sind.  „Schlechte Zeiten“, höre ich oft.

Alles wird teurer. Fragen stellen sich. Weitet sich der Krieg im Nahen Osten aus? Kann ich meinen Lebensunterhalt bestreiten, wenn alles teurer wird? Wie geht es weiter? Und wer kann helfen? Und damit stellt sich auch die Frage: Sind wir in Gottes Hand?

In Gottes Hand zu sein, hieß und heißt, sich ohnmächtig zu fühlen, sich nicht selbst helfen zu können. Es heißt aber auch: ganz und gar seine Hoffnung auf Gott zu setzen. Das eigene Leben in seine Hand zu geben.

Was für ein Vertrauen muss ein Mensch haben, um das zu können. Das geht nur mit dem Vertrauen, dass es gut ausgeht. Dass mit Gnade und Gerechtigkeit gerichtet wird. Gnade und Gerechtigkeit sind im Alten und im Neuen Testament Eigenschaften Gottes.

Wie jeder Sonntag, hat auch der Sonntag morgen in der Kirche einen eigenen Namen. Er heißt tatsächlich heißt „Richte“.  In der Kirche wird das auf lateinisch gesagt, also  „Judica“.  Mit diesem Wort beginnt ein Psalm, der in der Kirche diesem Sonntag zugeordnet ist. Er beginnt mit den Worten „Richte mich, Gott“.

Da liefert sich jemand Gott aus. Er oder sie ist in Not und überlässt das Leben und das Schicksal Gott. Und kann in diesem Vertrauen auf Gott die Angst besiegen und nach vorne sehen.

Unser Schicksal steht immer wieder in Gottes Hand. Ich wünsche uns allen dieses Vertrauen; und Mut zum Leben und Zuversicht in diesen nicht  einfachen Zeiten.

 

Pastor i.R. Hartmut Kutsche