© fentjer
© fentjer
Die Soeste in Barßel – Jordan Holiday@pixabay

Wenn der Winter plötzlich vor der Tür steht

Foto: Niklas Sonnenberg

Der Winter kam in diesem Jahr nicht leise. Über Nacht war alles weiß. Straßen, Gärten, Autos – selbst Geräusche schienen vom Schnee geschluckt zu werden. Und statt des gewohnten Morgens begann der Tag mit Schippen, Rutschen und klammen Fingern.

Bei uns zu Hause hatte der Wintereinbruch noch eine andere Folge: Unsere kleine Familie baute zusammen mit den Familien der direkten Nachbarn ein Iglu. Kein perfektes aus dem Bilderbuch, eher schief, mit etwas bröselnden Wänden und viel Gelächter. Es dauerte länger als gedacht. Immer wieder rutschte Schnee weg, Hände wurden kalt, die Geduld dünn. Und doch wuchs es Stein für Stein – oder besser gesagt: Schneeschaufel für Schneeschaufel.

Während wir dort standen, fiel mir auf, wie gut dieses Iglu eigentlich zum Winter passt. Der Winter zwingt uns, langsamer zu werden. Er legt offen, was trägt – und was nicht. Man kann sich im Winter nicht einfach treiben lassen. Man braucht Schutz, Wärme, ein Dach über dem Kopf. Und manchmal eben auch ein Iglu.

Im Glauben ist das ähnlich. Es gibt Zeiten im Leben, die fühlen sich an wie Wintereinbruch: unerwartet, kalt, fordernd. Pläne werden zugeschneit, Sicherheiten rutschig. Dann hilft kein hektisches Rennen. Dann braucht es etwas, das schützt. Etwas, das man vielleicht mühsam baut: Vertrauen. Gemeinschaft. Hoffnung.

In der Bibel heißt es: „Gott ist unsere Zuflucht und Stärke“ (Psalm 46,2). Eine Zuflucht ist kein Ort, an dem es keine Kälte gibt. Sie ist ein Ort, an dem die Kälte nicht das letzte Wort hat. Unser Iglu hält den Wind ab. Es speichert ein wenig Wärme. Es ist nicht gemütlich wie ein Wohnzimmer – aber es schützt. Und genau so beschreibt die Bibel Gott: nicht als jemanden, der jedes Unwetter fernhält, sondern als einen, der mitten im Sturm da ist.

Unser Iglu steht, wenn dieser Artikel erscheint, wahrscheinlich nicht mehr. Der Schnee ist geschmolzen, der Alltag zurückgekehrt. Geblieben ist die Erinnerung – und der Gedanke, dass selbst aus Kälte etwas Tragendes entstehen kann, wenn man es gemeinsam baut.

Vielleicht ist das eine gute Winterbotschaft: Der Winter bleibt nicht. Aber was wir in ihm lernen, kann bleiben.

Niklas Sonnenberg 

Jungenddiakon im Kirchenkreis Rhauderfehn