Ende November 2025: Kirchenvorstandssitzung in Backemoor. Wir planen die Events der kommenden Zeit, beginnend mit dem gemeinsamen Blätterharken auf den beiden Friedhöfen. Dann kommen die Adventssonntage mit Tee im Turm, Senioren-Adventsnachmittag, Glühwein nach dem Abendgottesdienst, und vor allem das große Adventskonzert mit allen Chören. Es folgen die Weihnachtsgottesdienste. Altjahrsabend. Und schließlich der Neujahrsempfang im kommenden Jahr. Wir planen und planen. Wer macht, wer besorgt, wer ist da, wer kümmert sich …? Am Ende schauen wir uns an. Alles ganz schön viel, oder? Und so dicht aufeinander! Wir kommen schon beim Planen ganz aus der Puste. Man müsste unbedingt das eine oder andere weglassen. Aber was? Es ist doch alles so schön! Und wichtig. Alles hat seinen besonderen Wert. Und muss bleiben. Wir schaffen das schon. Haben wir immer!
Kennen Sie das auch? Nicht nur Kirchengemeinden laufen in diesen Tagen heiß, auch in Vereinen und Betrieben geht es gerade hoch her, und im Einzelhandel sowieso. Die Weihnachtsmärkte brummen. Und das Privatleben bietet weitere Highlights. Die Familie kommt ja auch noch, oder sie ist schon da und wuselt überall herum. Die Kinder sind aufgeregt, die Erwachsenen im Stress. Habe ich an alles gedacht? Sind die Geschenke besorgt, der Braten geplant, der Baum gekauft? Meist ist man nach Neujahr wie erschlagen. Manch einer mag da den Wochenspruch für die zweite Adventswoche zitieren - „Erhebt eurer Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ Ja, das weiß man immerhin: Auch dieses Weihnachtsfest wird vorbeigehen. Es gibt die Ruhe nach dem Sturm. Gottseidank.
Wie schade eigentlich. Wann hat sich dieser Dauerstress entwickelt? Und muss es so sein?
Einige Menschen haben sich angewöhnt, über Weihnachten zu verreisen, um all dem zu entgehen. Andere versuchen, durch ein „Wir schenken uns nichts“ wenigstens den Kaufrummel zu vermeiden. Wer sagt uns, wie Weihnachten „richtig“ gefeiert wird?
In der Holzkrippe im Stall liegt ein winziges Kind, das schaut und schweigt. Es schaut seine Eltern an, Maria und Josef; dann die Hirten mit ihren roten Nasen und rauhen Händen; dann die drei Könige in ihren prunkvollen Gewändern. Und dann mich. Und dich. Als wollte es fragen: Freust du dich, dass ich da bin? Und auf einmal wird es still um mich herum. Die Geräuschkulisse des Weihnachtsfestes, das wir uns aufgebaut haben, verschwindet in dieser Stille. All die Erwartungen, die ich an das Fest habe, und all die Erwartungen, die andere an mich haben, lösen sich darin auf. Zurück bleibt nur der fragende Blick des Kindes. Freust du dich - über mich?
Ich brauche einen wirklich stillen Augenblick, um mich dieser Frage zu nähern. Vielleicht finde ich ihn in diesem Jahr, vielleicht in einem Weihnachtsgottesdienst. Und kann endlich durchatmen.
Ulrike Sundermann,
Pastorin in Backemoor-Breinermoor