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Die Soeste in Barßel – Jordan Holiday@pixabay

Gott macht keine Updates – schmeiß weg, mach neu! - 03.01.2026

Geräte, die noch funktionieren, kann ich einfach nicht wegschmeißen. Zum Beispiel stehen auf dem Dachboden noch immer vier unförmige Lautsprecherboxen der Stereoanlage, die ich mir damals von meinem Konfirmationsgeld für 1.500 D-Mark gekauft habe. Sieben Umzüge haben sie mittlerweile mitgemacht. „Die Boxen stellen wir auf den Dachboden, die fressen doch kein Brot“, hätte meine Oma gesagt. Meine beiden Omas haben den Krieg und die Mangelzeit der Nachkriegsjahre mitgemacht, sicher habe ich es von ihnen geerbt, dass auch ich nichts wegwerfen kann. 

Im Jahr 2025 war es für meinen Laptop dann doch so weit, für Windows 10 gibt es keine Sicherheits-Updates mehr, ein offenes Tor für Kriminelle. Alt und langsam war der PC ohnehin schon geworden, aber er funktionierte ja noch; schweren Herzens musste ich nun trotzdem Abschied von ihm nehmen und ein komplett neuer musste her. 

„Bewahrung der Schöpfung sieht anders aus“, dachte ich mir noch, da erscheint die Jahreslosung 2026. Aus dem letzten Buch der Bibel, vorletztes Kapitel, also ziemlich am Ende: Gott spricht: siehe, ich mache alles neu! (Offenbarung 21,4) 

Ist Gott so? - wenn die Welt nicht mehr so funktioniert wie sie eigentlich sollte, weil die Leute nur noch abkanzeln statt zu diskutieren, weil die Menschen mit Gewalt nehmen, was sie kriegen können, weil alle nur noch zerstören, anstatt aufzubauen, dann kommt die Erde einfach auf den Müll? Deckt sich das mit dem Bild, das ich mir bisher von Gott gemacht habe? 

In der Geschichte der Arche Noah hat Gott schon einmal genau so gehandelt. Weil die Menschen böse waren, wurde die Erde durch die Sintflut von ihnen gereinigt. Doch danach bereut Gott das und Noah bekommt den Regenbogen als himmlisches Zeichen dafür, dass Gott ab jetzt keine Sintflut mehr senden wird, obwohl die Menschen böse sind und böse bleiben (Genesis 8,21). Dies ist der Anfang der Bibel, dann folgt viel Leid, Krieg, Geschrei, Geburt und Tod. Gott sei Dank folgt auch Trost und Hoffnung auf das Heil. Und am Schluss der Bibel heißt es dann „Gott spricht: siehe, ich mache alles Neu!“. 

Sind wir Menschen vielleicht doch so wie mein alter Laptop und wir müssen weg, obwohl wir noch funktionieren? (zugegebenermaßen alt und langsam geworden, aber noch funktionstüchtig). - Nein, so ist es nicht. Denn direkt einen Vers vor der Jahreslosung lesen wir, dass FÜR UNS alles neu gemacht wird. „Gott wird abwischen alle Tränen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen“ (Offenbarung 21,4). Das ist göttlicher Trost. 

Kann das denn wahr sein? Will Gott wirklich unsere Altlasten mitschleppen? Von uns selbst kennen wir es doch anders: wenn es zu kompliziert wird: schmeiß weg, mach neu! 

Das stimmt aber nur zur Hälfte. Ein komplett neuer und leerer Laptop nützt nur wenig. Meine ganzen Daten, meine Fotos, Konfi-Arbeitsblätter, Gottesdienst-Bausteine, Finanzunterlagen, mein halbes Leben, das auf dem alten Laptop abgespeichert war, habe ich auf den neuen PC migrieren lassen. Dafür habe ich sogar viel Mühe investiert.

So ähnlich könnte es auch bei Gott sein. Unsere menschlichen Erfahrungen, unsere Lebensgeschichten, unsere Netzwerke und unsere Liebe, alles das ist in Gottes Augen wertvoll. Um das alles zu erhalten und zu retten, ist Gottes letzte Antwort nicht die finale Zerstörung sondern die Neuschöpfung.  

Pastor Torben Weinz, Collinghorst