Die Tradition eines Adventsbaums kannte ich bisher nicht. Seit dem 1. Dezember steht ein solcher in meinem Büro. Zuerst ganz kahl und bis heute verwandelt zu einem festlich geschmückten Christbaum. Ein besonderes Geschenk, wie ich finde. Bei uns zuhause kam der Baum eigentlich immer erst kurz vor dem Heiligen Abend ins Wohnzimmer. Nun ist es anders. Als einstiger Verfechter des „nicht zu früh Aufstellens“ steht das Ding jetzt einfach mal da. Schlecht finde ich es aber nicht. Den Duft des Tannengrüns genieße ich an jedem neuen Morgen. Das Baumgeschenk ging mit einer besonderen Aufgabe einher. So ist die Tradition. In einer grauen Schachtel als Beigabe zum Baum liegen 24 Sterne. Auf jedem Stern steht eine biblische Verheißung und manchmal auch ein persönlicher Gruß. Tag für Tag kommt ein Stern am Baum hinzu. Durch die Adventszeit ist es jetzt Heiliger Abend geworden. Der Baum sieht prächtig aus. Kahl ist er nicht mehr und 24 Sterne leuchten. Die Tradition des Adventsbaums entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Diakonissenanstalt Kaiserswerth. Waisenkinder erleben dort eine intensive Zeit und verstanden zum ersten Mal in ihrem Leben, was Weihnachten bedeutet. Durch Jesus Christus kommt Gott in diese Welt. Zum Trost, zur Kraft, zum Glauben. Brigitte Liebelt schreibt in ihrem Buch „Hoffnungssterne am Adventsbaum“ in einer historischen Weihnachtserzählung anrührend und stimmungsvoll darüber. Auf dem letzten Stern für meinen Adventsbaum lese ich heute. „Denn der Herr ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeiten hält er uns die Treue.“ (Psalm 100,5). Was für eine Verheißung in aufgewühlter Zeit.
Gesegnete Weihnacht !
Thomas Kersten, Superintendent im Kirchenkreis Rhauderfehn