Johanna aus dem Oberledingerland ist schon über 82 Jahre alt als ihr Mann starb. Über Jahre hinweg ist der Ehemann immer schwächer geworden bis er im letzten Jahr gestorben ist. Früher fuhren sie gemeinsam in den Urlaub, machten Fahrradtouren, trafen Freunde und besuchten Veran-staltungen. Und nun ist die Einsamkeit da. Johanna zieht sich zurück, Freunde und Nachbarn kommen kaum noch. In dieser Zeit im Frühherbst letzten Jahres wird sie immer einsamer, fühlt sich nicht mehr wertgeschätzt, ist manchmal antriebslos und einsam. Und dann ist da die Leere im Haus, kein Mensch mehr da, der „Hallo“ sagt, sich freut, kein Mensch mehr mit dem Johanna über wichtige Themen und über Freud und Alltagsthemen sprechen kann.
Und dann im Spätherbst fasst Johanna neuen Mut, sie richtet sich die Wohnung neu ein, kocht ihre Lieblingsgerichte, lädt Nachbarn und Freunde zu sich ein. Und sie beschließt, sich aktiv am Gemeindeleben der Kirchengemeinde zu beteiligen und sich einzubringen. Johanna tritt in den Sportverein ein, besucht kirchliche Angebote, nimmt an Älterenkreisen teil.
Und im Dezember hat sie das erste Mall an dem gemeinsamen Mittagessen der Seniorenbeirates teilgenommen. Sie findet es toll, gemeinsam mit guten Bekannten und einigen Freundinnen das Essen zu genießen. Johanna hat ihren Lebensmut wiedergefunden und ist glücklich neuen Mut gefasst zu haben.
Einsamkeit ist ein Gefühl, das viele von uns kennen. Manchmal fühlt es sich an, als würde uns niemand wirklich sehen oder verstehen. Einsamkeit kann leise sein, aber auch schmerzhaft. Einsamkeit bedeutet sozialer Schmerz. Sie legt sich wie ein Schatten auf unser Herz und lässt uns zweifeln: Bin ich überhaupt noch wichtig, wer hält noch zu mir? Wie soll es weitergehen?
Auch in der Bibel begegnen uns Menschen, die sich einsam fühlen. In einem Psalm heisst es: „Ich bin einsam und elend, der Herr aber sorgt für mich „ (Psalm 25,16).
Dieser Satz macht Mut. Denn er zeigt: Einsamkeit ist nichts, wofür wir uns schämen müssen. Sie gehört zum Menschen dazu. Und doch bleibt sie nicht das Ende der Geschichte. Gott wendet sich einsamen Menschen zu. Er hört das und ist bei uns. Gott begleitet uns und wir können zu ihm sprechen. Oder wir können unsere Gedanken auch für Gott aufschreiben – das macht Mut, Gott begleitet uns und ist für uns da.
Und vielleicht sind Sie heute selbst einsam. Dann dürfen sie wissen: Sie sind gesehen, sind wertvoll und nicht vergessen. Gott geht mit Ihnen – auch durch diese Zeit. Und manchmal beginnt Gemeinschaft mit einem kleinen wichtigen Schritt: Dem Mut, sich zu zeigen.
Treten Sie mutig in das neue Jahr – viele Kirchengemeinden, Älterengruppen, Seniorenbeiräte, Selbsthilfegruppen, Sportvereine, caritative und kommunale Angebote sowie der Kirchenkreis Rhauderfehn unterstützen Sie. Und zünden Sie in dieser Jahreszeit auch gerne mal eine wärmende Kerze an und laden Bekannte oder Nachbarn zu sich ein und schenken Herzenswärme.
Ich wünsche Ihnen viel Mut und Zuversicht sowie ein gesegnetes Wochenende
Frank Schüür
Einsamkeits- Pflege- und Sozialberater
im ev. -luth. Kirchenkreis Rhauderfehn