Moin, liebe Leserinnen und Leser,
Der vor uns liegende Sonntag hat den Namen Palmsonntag und erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem. „Siehe, dein König kommt zu dir – sanftmütig und reitet auf einem Esel.“ so erzählt es das Evangelium nach Matthäus im 21. Kapitel. Die Menschen breiten ihre Kleider aus, schwenken Palmzweige und rufen: „Hosianna! Hilf doch, rette uns!“ Die Stadt ist in Bewegung. Voller Erwartung. Voller Hoffnung.
Doch: Wen erwarteten sie eigentlich?
Viele hofften auf einen starken König. Einen, der aufräumt. Der Macht zeigt. Der die Römer vertreibt, im Nahen Osten klar Schiff macht. Einer, der endlich durchgreift. Doch Jesus kam anders. Kein Streitwagen, kein Triumphzug, keine Inszenierung der Stärke. Er kam auf einem Esel. Sanft. Friedlich. Verwundbar.
Und die Frage trifft auch uns: Wen erwarten wir?
Erwarten wir einen Gott, der unsere Pläne bestätigt? Der unsere Vorstellungen erfüllt? Der laut und sichtbar eingreift? Oder rechnen wir mit dem, der leise kommt – im Wort, im Gebet, in liebevoller Zuwendung oder im Mitmenschen?
Palmsonntag hält uns einen Spiegel vor. Die Begeisterung der Menge ist echt – und doch wird sie wenige Tage später kippen. „Hosianna“ und „Hilf uns“ wird zu „Kreuzige ihn“. Erwartungen können enttäuscht werden, wenn Gott nicht so handelt, wie wir es uns vorstellen.
Jesus kommt – aber er kommt anders. Er kommt nicht, um Macht zu demonstrieren, sondern um Frieden zu bringen. Nicht, um zu herrschen, sondern um zu dienen. Nicht, um sich feiern zu lassen, sondern um sein Leben zu geben.
Vielleicht ist das die eigentliche Einladung dieses Tages:
Unsere Erwartungen prüfen. Offen werden für den Gott, der sich klein macht. Der nicht mit Gewalt überzeugt, sondern mit Liebe.
„Wen erwarten wir?“ Einen Sieger?
Oder den, der uns gerade in seiner Sanftmut rettet?
Palmsonntag erinnert: Gott kommt. Auch heute.
Vielleicht leiser, als wir denken.
Aber näher, als wir glauben.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Karwoche!
Ihr Pastor Dr. Klaus Bajohr-Mau, Altenseelsorge im ev. luth. Kirchenkreis Rhauderfehn