„Jubilate!“, das heißt: „Freut euch!“ – mit diesem Ruf ist der kommende Sonntag überschrieben.
Das führt mich zur ehrlichen Frage: Wann haben Sie sich eigentlich das letzte Mal so richtig gefreut?
Ich muss gestehen: Als ich mich das in Vorbereitung auf diesen Sonntag gefragt habe, musste ich selbst ein bisschen überlegen. Mir ist nicht sofort etwas eingefallen.
Das hat mich stutzig gemacht.
Ich frage mich: Warum? Freude ist so ein schönes und starkes Gefühl. Und doch muss ich ganz bewusst suchen, um mich an solche Momente zu erinnern.
„Jubilate! Freut euch!“ – das ist gar nicht so einfach, schon gar nicht auf Knopfdruck.
Und es gibt ja auch gerade genug Gründe, sich nicht zu freuen: Die anhaltend teuren Spritpreise, die Pollen, die in Nase und Augen jucken, die vollen Arbeitstage, Streitigkeiten, die uns schwer im Magen liegen. Dazu noch die angespannte Lage in der Welt und die permanente Sorge vor dem, was als Nächstes kommt.
Wahrscheinlich könnte man diese Liste noch endlos weiterführen.
Kein Wunder, dass die frohen Momente dabei ihre Strahlkraft verlieren und irgendwie untergehen.
Gerade darum kommt dieser Aufruf zum Freuen gerade genau zur richtigen Zeit. In der Zeit nach Ostern erinnern wir Christinnen und Christen uns daran, dass Jesus Christus die Grenzen des Todes überschritten hat. Damit hat er das Vergangene zwar nicht vergessen gemacht, aber er hat neuen Grund zur Hoffnung gegeben.
Die Trauer wurde in Freude verwandelt.
In dem Wort „verwandeln“ steckt ein Prozess, ein Zeitraum. Freude darf sich entwickeln. Sie muss nicht von jetzt auf gleich da sein.
So verstehe ich den Ruf „Freut euch!“ als Aufruf, das Schöne im Leben wahrzunehmen.
Dass wir Ausschau halten nach dem, was uns trägt, was uns Freude und Hoffnung schenkt – gerade dann, wenn es gar nicht so viele Gründe zum Freuen gibt.
Und dann sind es vielleicht plötzlich wieder die kleinen Freuden des Alltags, die mich zum Strahlen bringen: das Feierabendbier nach getaner Arbeit, die Natur, die zum Leben erwacht, das herzhafte Lachen an einem Abend mit Freunden.
Das tut gut, wenn man Gründe zum Freuen findet.
Darum: Jubilate! Freut euch! Haltet Ausschau nach dem, was trägt. Amen.
Tabea Frinzel
Pastorin in Flachsmeer