Morgen ist Pfingsten. Das Fest des Heiligen Geistes. Man hat so seine Schwierigkeiten damit, dieses Fest greifbar zu machen, denn es gibt kein Kind in der Krippe, keinen Mann am Kreuz, auch keinen Weihnachtsmann oder Osterhasen. Es ist ein Fest, das sich nicht gut vermarkten lässt. Deshalb gehört es ganz und gar uns, den Kirchengemeinden. Und was machen wir daraus?
In den Gottesdiensten am Pfingstsonntag gibt es viel Musik: Chöre singen, Posaunenchöre spielen, Orgeln brausen. In manchen Gottesdiensten wird das Abendmahl ausgeteilt. Und am zweiten Pfingsttag treffen sich viele Menschen zum ökumenischen Pfingstgottesdienst, in diesem Jahr in der Kirche St. Bonifatius zu Langholt. In früheren Jahren fand dieser Gottesdienst sogar im Freien statt, auf dem Marktplatz in Westrhauderfehn.
Es ist jedes Jahr wieder das Ziel, etwas von dem besonderen Geist dieses Festes spürbar zu machen – denn sehen kann man ihn ja nicht, diesen Geist.
Die Bibelgeschichte, die von Pfingsten erzählt, versucht es mit Bildern: Da sitzen die Jünger*innen Jesu hinter verrammelten Türen in Jerusalem, und plötzlich fährt ein Brausen durch den Raum wie ein großer Sturm. Auf den Köpfen der Versammelten erscheinen Feuerflammen. Klingt erschreckend – aber die Menschen sind nicht erschrocken, im Gegenteil: Mit diesem Sturm, mit diesem Feuer scheinen alle Schrecken von ihnen abzufallen, sie reißen die Riegel von den Türen und laufen auf die Straße. Und erzählen mit lauter Stimme von den großen Taten Gottes.
Sie platzen sozusagen mit ihrer geballten Energie in den Alltag der Menschen da draußen, machen auf sich aufmerksam – machen auf Gott aufmerksam! – und das ohne jede Angst.
Was passiert da? Die Pfingstgeschichte beschreibt, wie die Botschaft von der Auferstehung Jesu mit ihrer ganzen Kraft bei ihnen ankommt. Sie sind elektrisiert! Und sie können gar nicht anders, als sich zu bewegen: nach draußen, auf die Straße, in die Welt hinaus. Nicht alle lassen sich anstecken von diesem Feuer. Viele tippen sich an die Stirn und spotten: „Die haben zu viel getrunken.“ Auf andere allerdings springt das Feuer über. Sie denken: Diese Energie, die brauche ich auch. Daran will ich Anteil haben, ich will dazugehören. Viele lassen sich tatsächlich taufen: Es ist die Geburtsstunde der Kirche.
Zweitausend Jahre später arbeiten die Kirchen eher auf Sparflamme. Ihr Feuer ist in sich zusammengesunken. Die Energie, die auf den Straßen zu spüren ist, gehört heute eher zu einer diffusen Wut, einer großen Unzufriedenheit – und ganz viel Zukunftsangst. Ich fürchte: Wenn wir aus unseren Kirchen auf die Straße liefen und von den großen Taten Gottes erzählten, würde uns kaum jemand hören – sie haben alle Stöpsel in den Ohren und den Blick auf ihr Handy gerichtet. Wie kann man da positive Energie entfachen?!
Da hilft nur eins: Nicht bange machen lassen. Die Flamme ist nicht aus, die Glut ist immer noch da. Gottes Energie ist mächtig. Nicht wir müssen sie entfachen. Wir können sie nur weitertragen. Und das tun wir! Zu Pfingsten. Und jeden Tag. Wir zeigen auf den Lebendigen und auf das Leben, das er bringt. Gefüllt mit der positiven Energie unseres Glaubens.
Pastorin Ulrike Sundermann, Backemoor-Breinermoor