Der Kapitän verlangsamt die Fahrt und zeigt nach Backbord: Da vorne erscheint endlich die Sandbank mit den Seehunden.Nach einer Weile macht der Kapitän den Motor aus, es wird leise. Unter uns klatscht etwas Schweres auf die Wasseroberfläche, man hört das Wasser spritzen. Der Anker bringt das Schiff zum Halten. Wir schaukeln nur im Takt der Wellen. Den Wind hört man, die Wellen und die Vögel.Ansonsten ist es still. Alle beobachten die Natur, sind andächtig verstummt und in Gedanken versunken. Die Zeit scheint stehen zu bleiben.
Erst nach einer gefühlten Ewigkeit werden wir aus unseren Gedanken gerissen, der Kapitän wirft den Motor wieder an und hievt den Anker auf. Die Fahrt geht wieder weiter.
Zurück im Hafen verabschiedet der Kapitän jeden Passagier persönlich. Ich sehe, dass auf seinem Unterarm ein Anker tätowiert ist: „Na klar, er ist Seemann, das gehört zum Beruf“ denke ich.
In der Bibel gibt es einen Satz, der dazu geführt hat, dass neben dem Kreuz auch der Anker als christliches Symbol gilt: „Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele“ (Hebräerbrief 6,19). Wäre das nicht schön, wenn wir unsere Seele fest machen könnten, so wie einen Anker?
-ganz oft brauche ich ja Bewegung, will neue Erfahrungen machen, an neue Ufer aufbrechen; aber wie gut wäre es, wenn ich seelisch einen Anker werfen könnte, immer dann, wenn ich es brauche. Wind, Wellen und Strömung treiben mich nicht mehr ab, ich genieße die Ruhe, so lange ich will. Irgendwann wird der Anker wieder gelichtet und das Leben geht weiter.
Die Bibel kann erfrischend einfach sein: Im Hebräerbrief werden die Leser nicht aufgefordert, sich endlich einmal zu verankern. Sondern der Brief erinnert uns daran: Wir HABEN diesen Anker. Er ist da!
Pastor Torben Weinz, Collinghorst