In wenigen Wochen beginnt wieder unser KidsCamp. Seit Monaten wird geplant, Material besorgt, Spiele vorbereitet und das Mitarbeiterteam geschult. Die Vorfreude ist groß. Zu unserem Konzept gehört erstmals in diesem Jahr, dass die Kinder während der Freizeit auf ihre Handys verzichten. Für manche klingt das zunächst nach einem Verlust. Ich glaube jedoch, dass es vielmehr ein Geschenk ist.
Dieser Gedanke ist für mich nicht nur Teil unserer pädagogischen Arbeit, sondern auch etwas ganz Persönliches geworden. In der Fastenzeit vor Ostern habe ich selbst digital gefastet. Ich habe bewusst auf soziale Medien und das ständige Nachschauen auf dem Smartphone verzichtet. Anfangs fiel mir das überraschend schwer. Erst dadurch wurde mir bewusst, wie selbstverständlich das Handy meinen Alltag bestimmt.
Doch nach einigen Tagen wurde es ruhiger. Ich hatte das Gefühl, wieder mehr Zeit zu haben. Gespräche wurden intensiver und auch meine Zeit mit Gott bekam eine neue Qualität. Nicht, weil plötzlich alles anders war, sondern weil weniger Ablenkung da war.
Dabei musste ich an Jesus denken. Im Markus-Evangelium heißt es: „Früh am Morgen, als es noch ganz dunkel war, stand Jesus auf, verließ das Haus und ging an einen einsamen Ort, um dort zu beten.“ (Markus 1,35)
Am Tag zuvor hatte Jesus viele Menschen geheilt. Alle suchten ihn. Als die Jünger ihn finden, sagen sie: „Alle suchen dich!“ (Markus 1,37). Doch Jesus lässt sich nicht antreiben. Bevor er auf die Stimmen der Menschen hört, sucht er die Gemeinschaft mit seinem Vater. Daraus schöpft er Kraft und Orientierung.
Wie oft machen wir es genau andersherum? Kaum wird es still, greifen wir zum Smartphone. Dabei sind es oft gerade die leisen Momente, in denen Gott zu uns sprechen möchte.
Deshalb verzichten wir im KidsCamp bewusst auf Handys. Nicht, weil Technik schlecht wäre. Sondern weil wir Kindern zeigen möchten, wie gut es tut, ganz im Moment zu sein: echte Gespräche statt Chats, Lagerfeuer statt Bildschirmlicht und Zeit für Gott und füreinander.
Vielleicht braucht es dafür gar keine ganze Freizeit. Vielleicht reicht schon ein Abend ohne Smartphone oder zehn Minuten Stille am Morgen. Denn manchmal verzichten wir nicht auf etwas, weil es schlecht ist, sondern weil wir dadurch etwas Besseres wiederentdecken.
Niklas Sonnenberg,
Kirchenkreisjugenddiakon