Foto: fentjer
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Sich ab und zu ausklinken - 12.09.2026

Pan ash @ pixabay

Vor kurzem war ich mit einer 38-köpfigen Seniorensportgruppe auf einer fünftägigen Bustour nach Berlin. Das Durchschnittsalter betrug 83 Jahre, wobei zehn Rollatoren mitgeführt wurden. Im Vorfeld hatte ich mich schon sehr auf die tolle Reise gefreut. Doch nun war der Zeitpunkt da, und beruflich sowie privat war ich stark eingebunden. Anfangs tat ich mich schwer, mich auf die sehr nette Reisegruppe einzulassen. Ich war anfangs einfach nicht aufgelegt zu Geselligkeit, Spaß haben, Freude schenken und neue Kontakte knüpfen. So versuchte ich mich immer mal wieder – zumeist abends – auszuklinken. Ich versuchte, mir gegenüber kein schlechtes Gewissen zu machen.

Brauchen nicht wir alle ab und zu? Sich ausklinken aus dem Alltag, mal für sich sein und die Gedanken in Ruhe fließen zu lassen? Sich selbst im Getriebe unserer Zeit wahrzunehmen, auszusteigen für einen Moment aus dem Termindruck und auch aus angehäuften Problemen? Jesus hat dazu immer wieder ermuntert: „Geht an eine einsame Stätte und ruhet ein wenig“ (Markus 6,30 f.). Auch Jesus brauchte das immer wieder, diese Verschnaufpausen, dieses Innehalten und für sich allein sein. Gerade diesen Vers hatte ich im Sinn in einer Zeit, die von Terminen und Anforderungen voll war. Dazu kommt oft noch Unvorhergesehenes, dem ich mich nicht entziehen kann, das mich auch ganz fordert und mich manchmal überfordert. Und dieses Wort zum Wochenende soll allen Lesern und Leserinnen ja auch etwas geben und Ruhe vermitteln. 

An diesen Tagen wird mir die Aufforderung Jesu immer mehr zur Hilfe. Wenn sich alles zu überstürzen scheint, klingt es in mir auf: Mensch Frank, mach ein paar Minuten Pause, genieße diesen Moment hier und jetzt. Du musst dich nicht unentwegt abhetzen. Du bist nicht für alles zuständig. Du trägst nicht allein die Verantwortung. Atme ruhig durch. Ich halte dich. Du wirst wieder Kraft schöpfen und einen guten Weg sehen.

Sich ausklinken – immer mal wieder – bringt am Ende mehr Lebensqualität. Das, was ich nicht übereilt und gehetzt tue, hat oft mehr Gehalt, z. B. ein Gespräch mit Freunden oder eine Arbeit, die mir sehr am Herzen liegt und die erst allmählich reifen muss. In diesen Zeiten bleiben auch gut gemeinte Ratschläge von Freunden nicht aus. Sie machen mich eher nervös und ärgerlich. Scheinen sie doch etwas zu fordern, was ich nicht leisten kann. Nie hast du Zeit für uns. Du musst mal ein bisschen kürzer treten. Vielleicht steckt in diesen Hinweisen aber auch genau Jesu Angebot: „Klinke dich mal aus. Suche eine einsame Stätte und Ruhe ein wenig.“ Gerade jetzt in der Zeit, wo der Frühherbst langsam Einzug hält und sich Termine wieder häufen, sollten wir uns ins Bewusstsein rufen, dass eigentlich für alles schon gesorgt ist und wir hier aus der Fülle leben können. Die Ruhe und Stille sind auch ein Schöpfungswerk Gottes und darauf kann ganz viel Neues erwachen. Haben Sie Mut zum Ausklinken, zur Ruhe und zum Alleinsein.

 

Frank Schüür, Einsamkeits-, Pflege- und Sozialberater des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Rhauderfehn