Mutig steigt der Junge den Sprungturm herauf. Schon oft hatte er beobachtet, wie andere Kinder mit viel Spaß heruntersprangen, mit lautem Platschen im Wasser landeten und manchmal es so schön spritzte, dass noch die Zuschauer am Beckenrand getroffen wurden. Das wollte er auch.
Je höher es aber ging, umso mehr bereitete die zunehmende Höhe ein mulmiges Gefühl im Bauch. Oben angekommen wirkte der Abstand zum Wasser so viel größer. Was von unten noch so einfach erschien, stellte sich jetzt als echte Mutprobe heraus. Soll ich es wirklich wagen, mich da in die Tiefe zu stürzen? Tut es weh, wenn ich unten aufkomme? Komme ich auch wirklich wieder hoch, wenn ich doch so tief in das Wasser eintauchen werde? Sekunden des Überlegens werden zu Minuten, eine gefühlte Ewigkeit. Der Wind bläst hier oben mehr, es wird kalt, die Sorgen werden größer, je mehr man darüber nachdenkt. Warum bin ich denn eigentlich hier gelandet? Von unten kommen Rufe: „Spring doch einfach!“ Wenn es so einfach wäre! Am liebsten würde er die Leiter wieder herunterklettern, aber das ist auch nicht leicht. Wie würde er dann dastehen?
Waren Sie selber auch schon an Orten, an denen Sie sich gefragt haben: Wie bin ich denn hier gelandet? Von dem heutigen Blickwinkel betrachtet, erscheinen die Risiken viel größer, ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich dieses Ziel noch verfolgen will. War mein Mut doch zu groß? Habe ich mir etwas vorgemacht, wurde mir gar mehr versprochen?
Das kann in einer Beziehung, Freundschaft oder Ehe sein. Mit viel Freude begonnen, sieht es jetzt anders aus. Vielleicht stellt sich auch der Wechsel einer Arbeitsstelle als nicht vielversprechend heraus. Schaffe ich, was ich mir vorher mit Leichtigkeit zugetraut habe? Wenn mir dann von weitem zugesprochen wird, „Spring doch, du schaffst das!“, soll das ermutigen, aber manchmal reicht das nicht aus. Je länger die Risiken und Sorgen betrachtet werden, umso größer werden sie. Unüberwindbar erscheint es, den nächsten Schritt zu tun.
Während mein Junge noch unentschlossen auf der Plattform steht, klettere ich zu ihm hinauf. Ich nehme ihn an die Hand, höre mir seine Bedenken an, gehe mit ihm zum Rand, spreche ihm Mut zu. Ich springe vor ihm mit dem Versprechen, unten im Wasser auf ihn zu warten. Wenn er dann nicht wieder hochkäme, würde ich ihn retten. Sein glückliches Gesicht, als er nach dem Sprung aus dem Wasser wieder auftaucht, ist unvergesslich.
Im 1. Petrusbrief heisst es: „Alle Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für uns.“ Lassen Sie uns in herausfordernden Situationen, Zeiten, in denen uns der Mut fehlt weiterzumachen, von Gott an die Hand nehmen, Ihm unsere Sorgen im Gebet anvertrauen und mit der Gewissheit weitergehen, dass er uns retten wird, bevor wir untergehen. Er wird für uns sorgen!
Pastor Maik Schneider,
Evangelisch-freikirchliche Gemeinschaft WOL