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Kirchenmusik braucht Menschen, die mitmachen

Nachricht 07. November 2026

Zweites Treffen der ehrenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker im Kirchenkreis Rhauderfehn

Foto: Engel

Rhauderfehn. Wie kann Kirchenmusik auch in Zukunft lebendig bleiben? Welche Herausforderungen bringt die Suche nach musikalischem Nachwuchs mit sich? Und wie lässt sich mit einem Cajon neuer Schwung in die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten bringen?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich die ehrenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker beim zweiten gemeinsamen Treffen am 6. November 2026 im Gemeindehaus an der Hoffnungskirche in Rhauderfehn. Nach der ersten Zusammenkunft im August 2025 bot das Treffen erneut Gelegenheit zum Austausch, zur Information und zum gemeinsamen Musizieren.

Kirchenmusik zwischen Sparzwängen und Leidenschaft

Den Auftakt bildete eine Andacht, in der die Kirchenkreiskantorin unter der musikalischen Überschrift „Forte, piano, diminuendo“ die gegenwärtige Situation der Kirchenmusik in den Blick nahm.

„Wir müssen sparen.“ Dieser Satz sei inzwischen zu einer Art ständigem Grundton kirchlicher Beratungen geworden. Mal erklinge er piano, mal forte, gelegentlich sogar als dramatisches Crescendo.

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen, rückläufiger Einnahmen und steigender Kosten seien Einsparungen zwar notwendig. Doch gerade bei der Kirchenmusik stelle sich die Frage, welche Folgen es habe, wenn ausgerechnet dort gekürzt werde, wo Menschen mit großer Begeisterung und erheblichem persönlichem Einsatz das Gemeindeleben bereichern.

Mit einem Augenzwinkern verglich die Kirchenkreiskantorin solche Überlegungen mit einem Orchester, in dem zunächst die Bratschen gestrichen werden, weil sie vermeintlich weniger auffallen. Ähnlich widersprüchlich sei es, bei der Orgelwartung sparen zu wollen und gleichzeitig für den nächsten Festgottesdienst prächtige Orgelmusik zu erwarten.

Besonders hob sie den Wert des ehrenamtlichen und nebenamtlichen Engagements hervor. Viele Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker begleiten nach einem langen Arbeitstag noch Chorproben, gestalten am Wochenende Gottesdienste musikalisch oder engagieren sich in Posaunenchören und anderen Ensembles.

Dabei entsteht weit mehr als Musik: Gemeinschaft wird gestärkt, Gottesdienste werden bereichert und Kirche wird für Menschen hörbar und erlebbar.

Kirchenmusik sei deshalb nicht nur eine Haushaltsposition und schon gar keine verzichtbare Zugabe, sondern ein wesentlicher Bestandteil lebendigen kirchlichen Lebens.

Superintendent Thomas Kersten sagt danke

Superintendent Kersten ließ es sich auch bei diesem Treffen nicht nehmen, den Dank des Kirchenkreises für die viele Arbeit im musikalischen Bereich auszusprechen. 

Alle ehrenamtlich Mitarbeitenden leisteten einen wichtigen Beitrag zum lebendigen Gemeindeleben vor Ort. Erfolgreiche Formate wie die Bläserwoche und als Beispiel  der ABBA - Gottesdienst in Remels bezeugen die lebendige kirchenmusikalsiche Arbeit im Kirchenkreis.

Nachwuchs gesucht – neue Wege sind gefragt

Im anschließenden Erfahrungsaustausch wurde deutlich, dass die Gewinnung neuer Mitwirkender zu den größten Herausforderungen in der ehrenamtlichen Kirchenmusik gehört.

Viele Menschen möchten sich heute nicht mehr langfristig an einen Chor, einen Posaunenchor oder ein anderes Ensemble binden. Das erschwert die kontinuierliche musikalische Arbeit in den Gemeinden.

Gleichzeitig berichteten die Teilnehmenden von positiven Erfahrungen mit zeitlich begrenzten musikalischen Projekten. Als Beispiel wurde der ABBA-Gottesdienst in Remels genannt. Solche besonderen Angebote können Menschen ansprechen, die sich zunächst nicht dauerhaft verpflichten möchten.

Darin liegt auch eine Chance: Wer bei einem musikalischen Projekt Freude am gemeinsamen Singen und Musizieren entdeckt, findet möglicherweise später den Weg in einen Chor oder ein anderes kirchenmusikalisches Ensemble.

Der Austausch zeigte, dass neben bewährten musikalischen Angeboten zunehmend auch neue, flexible Formen des Mitmachens gefragt sind.

Neues Evangelisches Gesangbuch für 2029 in Vorbereitung

Ein weiterer Programmpunkt war der aktuelle Stand der Entwicklung des neuen Evangelischen Gesangbuchs, über den die Kirchenkreiskantorin informierte.

Das neue Gesangbuch soll voraussichtlich zum 1. Advent  2029 erscheinen und das bisherige Evangelische Gesangbuch aus dem Jahr 1993 ablösen. Vorgesehen sind sowohl eine gedruckte als auch eine digitale Ausgabe.

Aus rund 17.000 gesichteten Liedvorschlägen wurde inzwischen eine vorläufige Auswahl getroffen. Der gemeinsame Stammteil soll etwa 600 Lieder umfassen.

Die vorläufige Liederliste ist hier einsehbar.

Im Frühjahr 2026 wurde eine umfangreiche Erprobungsphase abgeschlossen, an der sich rund 550 Gemeinden in Deutschland und Österreich beteiligten. Insgesamt gingen fast 6.700 Rückmeldungen ein.

Die Ergebnisse werden nun in die weitere Bearbeitung einbezogen. Dabei geht es nicht nur um die endgültige Liedauswahl, sondern auch um musikalische Fragen wie Melodiefassungen, Tonarten, mehrstimmige Sätze und Begleitmöglichkeiten.

Die endgültige Liederliste soll im Frühjahr 2027 feststehen.

Für die ehrenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker wird das neue Gesangbuch eine wichtige Grundlage ihrer zukünftigen Arbeit sein. Umso interessanter war der Einblick in den Entwicklungsprozess.

Mit dem Cajon neue Rhythmen entdecken

Nach den Gesprächen und Informationen wurde es praktisch: Unter der Anleitung von Sascha von Kraewel aus Carolinensiel stand ein Cajon-Workshop auf dem Programm.

Von Kraewel ist als Kirchenmusiker, Pianist, Chorleiter und Musikpädagoge in Ostfriesland tätig. Den zehn anwesenden ehrenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern vermittelte er die Grundlagen des Cajonspiels.

Das aus dem Spanischen stammende Wort Cajon bedeutet „Kiste“ oder „Kasten“. Das Instrument wird mit den Händen gespielt und kann mit seinen unterschiedlichen Klangmöglichkeiten rhythmische Begleitungen übernehmen.

Im Workshop lernten die Teilnehmenden verschiedene Grundschläge kennen und erprobten deren Einsatz in unterschiedlichen musikalischen Grooves. Dabei wurde deutlich, wie vielseitig sich dieses Rhythmusinstrument gerade auch in der Kirchenmusik einsetzen lässt.

Ob zur Begleitung neuer geistlicher Lieder oder als rhythmische Bereicherung beim gemeinsamen Musizieren – das Cajon eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, Gottesdienste und musikalische Angebote abwechslungsreich zu gestalten.

Vor allem aber bereitete das praktische Ausprobieren allen Beteiligten viel Freude. Mit Begeisterung wurden Rhythmen eingeübt und neue musikalische Erfahrungen gesammelt.

Austausch, Gemeinschaft und neue Impulse

Bei  diesem zweiten Treffen wurde  deutlich: Kirchenmusik lebt nicht allein von Instrumenten, Noten und finanziellen Mitteln. Sie lebt vor allem von Menschen, die mit Freude, Kreativität und Engagement Musik machen und damit das kirchliche Leben bereichern. Der Austausch unter den Agierenden wurde als wichtig und gewinnbringend eingeschätzt - er wird sicherlich auch im kommende Jahr fortgeführt.