„unplugged“ ist eine Veranstaltungsreihe der Kirchengemeinde Ostrhauderfehn, die von einem ehrenamtlichen Team vorbereitet wird. Der jüngste Abend stand unter dem Motto „Wrestling with God“ und widmete sich der Frage, wie Menschen mit Zweifeln im Glauben umgehen und warum Glauben manchmal schwerer sein kann als gedacht.
Die musikalische Gestaltung des Abends lag in der Hand einer Kirchenband, bestehend aus Klavier, Gitarre, Bass und Gesang. Mit schmissigen Worship Songs zog sie die Besucher schnell in ihren Bann.
Die Predigt hielt Superintendent Thomas Kersten. Zu Beginn stellte er sich den Fragen des Moderationsteams. Unter anderem wurde er gefragt, wie er selbst seinen Predigtstil beschreiben würde. Mit Unterstützung der Zuhörer fasste er ihn schließlich augenzwinkernd als „launig, verständlich und auch lustig“ zusammen.
In einem Anspiel wurde der innere Kampf des Glaubens dargestellt. Zwei Wrestlerinnen standen sich gegenüber: „Jay“, die trotz Druck und Rückschlägen aufstehen und weiterkämpfen möchte, und ihr Gegenüber „Zweifel“. Auch Jay fragt sich immer wieder, ob sie den Kampf überhaupt gewinnen kann. Am Ende gibt es keinen Sieger – der Kampf endet unentschieden. Doch Jay bleibt stehen. Die Botschaft: Es geht nicht immer darum zu gewinnen. Entscheidend ist vielmehr, wieder aufzustehen, weiterzumachen und darauf zu vertrauen, dass Gott auch in schwierigen Situationen gegenwärtig ist.
Thomas Kersten dankte zunächst für die Einladung und bezeichnete den Gottesdienst als ein gelungenes Format. Kämpfe gebe es nicht nur im Sport, sondern in vielen Bereichen des Lebens: im Ringen um Deutungshoheit, in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, in Kriegen sowie im Wunsch nach Anerkennung, Liebe und Gehör.
Auch die Bibel kenne zahlreiche Menschen, die mit Gott gerungen hätten. Als Beispiel nannte Kersten Hiob, der durch eine Katastrophe seinen gesamten Besitz verlor. Obwohl selbst seine Frau ihn aufforderte, sich von Gott loszusagen, hielt Hiob an seinem Glauben fest. Er erkannte an, dass zum Leben sowohl Freude als auch Leid gehören.
Ebenso sei Mose ein Mensch gewesen, der zunächst an seinen Aufgaben zweifelte. Als Gott ihn berief, das Volk Israel zu führen, fragte er sich, wie er dieser Verantwortung gerecht werden könne. Auch Jesus habe im Garten Gethsemane seine menschliche Seite gezeigt, als er betete: „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ In diesem Moment werde deutlich, dass Zweifel und Angst zum Menschsein gehören.
Ein weiteres Beispiel sei Hanna, deren sehnlicher Wunsch nach einem Kind lange unerfüllt blieb. Trotz ihrer Enttäuschung hielt sie an ihrem Glauben fest. Schließlich wurde sie noch im hohen Alter Mutter des späteren Propheten Samuel.
Kersten machte deutlich, dass das Ringen mit Gott zum Glauben dazugehört und Menschen daran wachsen können. Die Frage „Gott, wo bist du?“ sei keine Absage an den Glauben, sondern oft Ausdruck eines ehrlichen Suchens. Gerade in schweren Zeiten komme es darauf an, durchzuhalten und darauf zu vertrauen, dass Gott gegenwärtig bleibt.
Zum Abschluss erzählte der Superintendent von einer trauernden Frau, die einen Gottesdienst besuchte. Während des Abendmahls wurde sie an die Hand genommen – eine kleine Geste, die für sie große Bedeutung hatte. Später sagte sie dem Pastoren: „Das war ein wichtiger Moment. Ich war wieder Teil von etwas.“
Diese Geschichte unterstrich die zentrale Botschaft des Abends: Wenn der Glaube kämpft, ist Gemeinschaft besonders wichtig. Niemand muss seine Zweifel allein tragen. Gott schenkt Kraft, Liebe und Menschen, die einander auf ihrem Weg begleiten.
Bei Kaltgetränken und einer gegrillten Bratwurst standen die Gottesdienstbesucher noch einige Zeit im Garten des Gemeindehauses und ließen in Gesprächen das Gehörte nachklingen.