Leer. Mit einem Festgottesdienst wurde Pastor Dr. Frank Mertin am Sontag, den 19. April 2026 in sein Amt als Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emden-Leer eingeführt. Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft nahmen an diesem besonderen Ereignis teil und würdigten den Beginn seines Dienstes in Ostfriesland.
Zuvor hatte die Kirchenkreissynode Frank Mertin im ersten Wahlgang mit großer Mehrheit zum Superintendenten gewählt. Er folgt auf Christa Olearius, die im April 2024 nach Berlin-Steglitz wechselte. Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer gratulierte zur Wahl und hob das deutliche Vertrauen hervor, das dem neuen Superintendenten entgegengebracht wird. Dieses sei ein starker Rückenwind für die kommenden Aufgaben.
Der festliche Gottesdienst begann mit einem eindrucksvollen Einzug, begleitet von einem Orgelvorspiel von Kirchenkreiskantor Marc Waskowiak. Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Anja Ihnen, begrüßte die zahlreichen Ehrengäste und Gemeindemitglieder herzlich.
Erster musikalischer Höhepunkt war die Aufführung des Stückes „All Things Bright and Beautiful“ von John Rutter, dargeboten von der Kantorei und dem Emder Kammerorchester unter der Leitung von Marc Waskowiak.
In ihrer Ansprache hieß Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer den neuen Superintendenten herzlich willkommen „unter dem weiten Himmel Ostfrieslands und den glitzernden Kanälen“. Sie betonte die besondere Prägung der Region durch Natur und Gemeinschaft und beschrieb die Kirche als Ort des Schutzes und der Geborgenheit. Gleichzeitig würdigte sie die Stationen von Mertins bisherigem Wirken – von seinem Studium über seine ehrenamtliche Tätigkeit bis hin zu seinen pastoralen Aufgaben in verschiedenen Gemeinden. Ein besonderer Dank galt an dieser Stelle allen im Kirchenkreis, die während der zweijährigen Vakanzzeit die Arbeit im Kirchenkreis engagiert aufrechterhalten haben.
In seiner Predigt stellte Dr. Mertin das Thema Angst in den Mittelpunkt. Er verwies darauf, dass die Worte „Fürchte dich nicht“ 365-mal in der Bibel vorkommen – ein starkes Zeichen gegen die vielfältigen Ängste des Lebens. Ob die Sorge vor Krankheit oder existenzielle Unsicherheiten: Angst sei ein prägender Teil menschlicher Erfahrung. Entscheidend sei jedoch, ihr Grenzen zu setzen. Als Gegenmittel hob er das Evangelium hervor und zitierte: „Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“ Gott gebe nicht den Geist der Verzagtheit, sondern Kraft, Liebe und Besonnenheit. Mit einem Bild aus einem Gedicht von Rose Ausländer – „Wirf deine Angst in die Luft“ – schloss er seine eindrücklichen Gedanken.
Im Anschluss folgten zahlreiche Grußworte. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft würdigten die Wahl und wünschten dem neuen Superintendenten Gottes Segen für seinen Dienst. Unter den Rednern waren unter anderem die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Leer, Beate Stammwitz, der Oberbürgermeister der Stadt Emden, Tim Kruithoff, Landrat Matthias Groote sowie kirchliche Vertreter aus der Region. Auch eine Grußbotschaft des Rabbiners Dr. Alexander Grodenskyaus Luxemburg wurde verlesen, die Mertins Engagement im christlich-jüdischen Dialog besonders hervorhob.
Zum Abschluss des Gottesdienstes dankte Benjamin Jäkel im Namen des Kirchenkreisvorstandes dem Vorsitzenden des Bauausschusses, Jan Theermann, für seinen außergewöhnlichen Einsatz bei der Renovierung der Superintendentur. Als Zeichen der Anerkennung wurde ihm ein Gutschein überreicht.
Im Anschluss an den Gottesdienst versammelten sich die Gäste im Martin-Luther-Haus zu einem Empfang, bei dem Gelegenheit zu Begegnung, Austausch und persönlichen Glückwünschen bestand.
Der Kirchenkreis Emden-Leer mit seinen 24 Kirchengemeinden und rund 39.400 Gemeindegliedern blickt nun erwartungsvoll auf die kommende Zeit unter der Leitung von Superintendent Dr. Frank Mertin. Seine Vision einer lebendigen, offenen und zukunftsorientierten Kirche lässt auf einen engagierten gemeinsamen Weg hoffen.