Bunde. Mit einem festlichen Gottesdienst in der gut gefüllten Emmauskirche wurde Pastor Bernd Passarge am 31. Mai 2026 nach mehr als vier Jahrzehnten im Dienst der Kirche in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Gäste aus nah und fern waren gekommen, um gemeinsam mit ihm auf sein Wirken zurückzublicken und diesen besonderen Tag zu feiern.
Bereits beim Betreten der Kirche wurde deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Gottesdienst war. Die Emmauskirche war liebevoll mit Vogelsymbolen geschmückt, die dem Raum eine besondere Atmosphäre verliehen und an Aufbruch, Freiheit und neue Wege erinnerten.
Für die musikalische Gestaltung sorgte die Kirchenkreisband EVEN YOU aus dem Kirchenkreis Wesermünde. Mit hoher musikalischer Qualität und großer Ausdruckskraft verliehen die Musikerinnen und Musiker dem Gottesdienst einen festlichen und zugleich persönlichen Charakter. Sichtlich bewegt zeigte sich Bernd Passarge darüber, dass die Band eigens zu seiner Verabschiedung angereist war. „Ich bin völlig geplättet, dass sogar „meine Hausband“ hier zu meiner Verabschiedung auftritt“, bekannte er vor der Gemeinde.
In seiner Begrüßung wandte sich Passarge herzlich an die zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Mit einem Augenzwinkern stellte er fest: „Ich bin sehr überrascht - ich durfte ja nicht alles wissen – ihr seid heute einmal wegen mir hier, aber auch wegen des lieben Gottes.“ Besonders begrüßte er seine Eltern, die den Gottesdienst mitfeierten, sowie viele Weggefährten aus den unterschiedlichen Stationen seines beruflichen Lebens. Immer wieder blitzte dabei sein Humor auf, wenn er alte Bekannte und ehemalige Kolleginnen und Kollegen willkommen hieß.
Unter dem Leitwort „Alles ist möglich“ blickte Passarge in seiner Predigt auf sein Leben und seinen Dienst zurück. Mit viel Selbstironie verglich er sich zunächst mit einem Lebensmittel, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten sei: noch durchaus genießbar, aber nun sei die Zeit gekommen, langsam aus dem Regal genommen zu werden. In einem weiteren Bild beschrieb er die letzten Jahre seines Dienstes als die letzten Kilometer eines Marathons. Gerade auf den letzten Metern müsse man sich immer wieder fragen, ob man weitermachen oder aufhören solle. Dennoch gelinge es, die letzten Kräfte zu mobilisieren und das Ziel zu erreichen.
Besonders wichtig war ihm die Erinnerung an seinen Konfirmationsspruch: „Alles ist möglich, dem der da glaubt.“ Dabei machte er deutlich, dass Glaube nicht bedeute, alles aus eigener Kraft schaffen zu können. Vielmehr gehe es um Vertrauen – darauf, dass Gott Menschen begleite, trage und ihnen helfe, wenn die eigenen Möglichkeiten an Grenzen stoßen. Dankbar blickte er auf die vergangenen Jahrzehnte zurück und zeigte sich bewegt darüber, dass viele seiner Worte und Begegnungen offenbar Spuren hinterlassen haben.
Trotz aller Herausforderungen bezeichnete Passarge den Pfarrberuf als einen der schönsten Berufe überhaupt. Zugleich verschwieg er nicht die Belastungen und Enttäuschungen, die ein langes Berufsleben mit sich bringt. Umso größer sei seine Dankbarkeit dafür, dass er diesen Dienst über mehr als 40 Jahre habe ausüben dürfen.
Zum Ende des Gottesdienstes überwog die Freude über das gemeinsam Erlebte. Passarge brachte dies in einem einfachen Satz auf den Punkt: „Lasst uns das Leben feiern.“ Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Verabschiedung – ein Tag voller Dankbarkeit, Erinnerungen und guter Wünsche für den neuen Lebensabschnitt des beliebten Pastors.
In seiner Ansprache würdigte Superintendent Thomas Kersten den scheidenden Pastor Bernd Passarge mit viel Humor und großer Wertschätzung. Zunächst richtete er sich mit drei Vorbemerkungen an verschiedene Personengruppen. An die Eltern gewandt sagte er schlicht: „Danke für Ihren Sohn.“ Mit Blick auf die Kirchenkreisband EVEN YOU bemerkte er augenzwinkernd: „Mit Ihnen hätte man beim ESC deutlich besser gelegen.“ Auch die Aussage Passarges, er habe lediglich 6,25 Prozent seiner Dienstzeit in Bunde verbracht, griff der Superintendent auf. Diese 6,25 Prozent seien zwar kurz gewesen, „aber knackig“. Kersten hob hervor, mit wie viel Empathie, emotionaler Fülle und großem Elan Passarge sein Amt ausgefüllt habe. Er habe die Gemeinde in wichtigen Prozessen begleitet, die Visitation gestaltet und die Fusion mit der Kirchengemeinde Weener entscheidend vorangebracht. „Bei James Bond würde man sagen: Mission completed“, fasste er zusammen.
Erinnernd an Gespräche mit den Bürgermeistern von Bunde und Weener während der Visitation, griff Kersten die Frage auf: „Was ist euer Profil?“ Ein bloßes „Weiter so“ könne für die Kirche keine Antwort sein. Passarge habe dies treffend ergänzt mit der Frage: „Was bietet mir die Kirche, dass ich mein Haus am Sonntagmorgen verlasse, ohne mich zu verschlechtern?“
Mit Blick auf seinen Dienstbeginn am 1. Advent 2023 erinnerte der Superintendent an den Satz: „Die erste und die letzte Gemeinde muss Liebe sein.“ Durch seinen Dienst habe Bernd Passarge eindrucksvoll gezeigt, dass Glauben möglich sei.
Sichtlich bewegt bedankte sich Passarge anschließend bei seiner Frau Tatjana. Sie sei eine „völlig untypische Pastorenfrau“, scherzte er. „Welche Frau hört beim Saubermachen in der Wohnung AC/DC?“ Gleichzeitig würdigte er sie als seine Retterin, Gesprächspartnerin, kritische Korrekturleserin, Mutmacherin und wichtigste Unterstützerin. Viele Ideen seiner Gemeindearbeit seien auf sie zurückgegangen, etwa die ungewöhnliche Idee, dass Eltern einen Gottesdienst für ihre Konfirmandinnen und Konfirmanden gestalten. Auch die umfangreiche Dekoration der Emmauskirche mit ihren zahlreichen Vogelsymbolen sei ihrer Kreativität zu verdanken. Tatjana Passarge selbst sprach liebevoll von einer „Versammlung der schrägen Vögel“. Mit einem Augenzwinkern fügte ihr Mann hinzu: „Wenn du zur Zeit Jesu gelebt hättest, hätte er elf Jünger und eine Jüngerin gehabt.“
Es folgten zahlreiche Gruß- und Dankesworte der Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, von Kolleginnen und Kollegen der Region Süd, den Bürgermeistern der Gemeinden Bunde und Weener sowie Vertretern des Ökumeneausschusses Bunde. Sie alle würdigten Passarges Engagement und dankten ihm für seinen Dienst und die gute Zusammenarbeit.
Zum Abschluss ließ es sich der scheidende Pastor nicht nehmen, selbst zur Gitarre zu greifen. Mit Bob Dylans „It’s All Over Now, Baby Blue“ setzte er einen bewegenden Schlusspunkt unter den Gottesdienst. Die Gemeinde erhob sich von den Plätzen und schwenkte im Takt die vorbereiteten Fähnchen, auf denen das Wort „Danke“ stand.
Nach gut zweieinhalb Stunden endete der festliche Gottesdienst. Im Gemeindehaus kamen die zahlreichen Gäste anschließend bei Kaffee, Tee und Kuchen zusammen und nutzten die Gelegenheit für persönliche Gespräche und persönliche Abschiedsworte.