Wie lässt sich der Alltag zwischen Familie, Beruf, Glauben und den eigenen Ansprüchen meistern? Und wo bleibt bei all dem Trubel eigentlich der Sinn? Um diese und viele weitere Fragen ging es bei einem besonderen Leseabend mit Pastorin und Autorin Ina Jäckel im Lebensmittelpunkt Potshausen.
Stefanie Hanekamp und ihr Team hatten zu einer Lesung mit Ina Jäckel eingeladen, die kürzlich ihr erstes Buch „Der Sinn wohnt neben dem Chaos“ im Rowohlt-Verlag veröffentlicht hat und fast 100 Menschen waren dieser Einladung gefolgt. Die vierfache Mutter ist nicht nur Pastorin, sondern auch Feministin, Kolumnistin der Ostfriesen-Zeitung, Moderatorin und auf Instagram unter dem Namen @dingens.von.kirchen aktiv.
Durch den Abend führte Melanie Thiesbrummel, Autorin, Regisseurin und langjährige Freundin von Ina Jäckel. Im persönlichen Gespräch boten die beiden interessante Einblicke in die Entstehung des Buches und in das bewegte Leben der Autorin.
Bereits der erste Satz ihres Buches bringt die Situation der vierfachen Mutter auf den Punkt: „Ich habe keine Zeit für dieses Buch. Wirklich nicht.“
Und doch hat Ina Jäckel es geschafft, innerhalb eines Jahres ein 286 Seiten starkes Werk zu schreiben. Möglich wurde dies durch einen weitgehend freigehaltenen Tag in der Woche, die Unterstützung ihres Mannes Benjamin und so manche Schreibstunde während des Urlaubs.
Entstanden ist ein ebenso humorvolles wie nachdenkliches Buch über die großen und kleinen Herausforderungen des Lebens. Darin erzählt Ina Jäckel von ihrem Alltag als Mutter und Pastorin, von Taufen und Beerdigungen, von berührenden Begegnungen und vom ganz normalen Familienchaos. Oft liegen dabei Freude und Trauer, tiefe Glaubensfragen und alltägliche Herausforderungen unmittelbar nebeneinander.
Besonders deutlich wurde an diesem Abend, wie eng bei Ina Jäckel Beruf und Familie miteinander verwoben sind, zumal auch ihr Mann Benjamin als Pastor tätig ist. Dabei spielen auch Selbstzweifel und das schlechte Gewissen eine Rolle. Die Frage „Bin ich gut genug?“ dürfte vielen Menschen aus dem Herzen sprechen. Das Schreiben ist für die Autorin deshalb nicht nur eine Möglichkeit, Erlebnisse festzuhalten, sondern auch eine Form der persönlichen Verarbeitung.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Jugendarbeit in der Kirchengemeinde. Ina Jäckel betonte, wie wertvoll die Offenheit junger Menschen sei. Gerade dort werde oft ungefiltert und ehrlich über das Leben und den Glauben gesprochen.
Ein eindrucksvolles Beispiel dafür war die Geschichte einer Taufe im Meer während einer Konfirmandenfreizeit. Auf die Frage, mit wem sie sich besonders verbunden fühlten, gaben die Jugendlichen ganz unterschiedliche Antworten. Während einige ihre Familie nannten, waren es für andere die Großmutter oder der beste Freund. Die Geschichte machte deutlich, wie unterschiedlich Menschen Geborgenheit, Vertrauen und Verbundenheit erleben.
So gelang es Ina Jäckel, ernste Themen mit einer guten Portion Humor zu verbinden und ihre Geschichten zeigen, dass das Leben nicht perfekt sein muss, um wertvoll und sinnvoll zu sein. Gerade in den Widersprüchen, den unerwarteten Wendungen und den scheinbar chaotischen Momenten können sich wichtige Erkenntnisse verbergen.
Der Leseabend im Lebensmittelpunkt Potshausen bot damit eine Gelegenheit über die eigenen Erwartungen, über Familie, Glauben und die kleinen Unzulänglichkeiten des Alltags nachzudenken. Viele der anwesenden Frauen konnten in Teilen die Schilderungen aus dem eigenen Erleben in der Familie nachvollziehen und bestätigen.
Am Ende blieb vor allem eine ermutigende Botschaft: Wir müssen nicht immer alles im Griff haben. Vielleicht liegt der Sinn des Lebens manchmal genau dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten – mitten neben dem Chaos.