Silke Schiller ist neue Pastorin der Andreasgemeinde in Firrel. Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer blickt bei ihrer Ordination auf ihren Weg ins Pfarramt zurück.
„Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Ein Satz, den viele vor allem vom Navigationsgerät kennen. Für Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer wurde er bei der Ordination von Silke Schiller zu einem Bild für einen besonderen Weg: einen Weg mit Abzweigungen, neuen Strecken und immer wieder unbekanntem Terrain. „Das Leben ist eben keine Autobahn, auf der wir dahinschnurren, sanft gelenkt von einer allwissenden Stimme mit umfassendem Überblick“, sagte Schiermeyer in ihrer Ansprache. Das Leben gleiche vielmehr einem Trampelpfad, der erst im Gehen entstehe.
Am Sonntag, 30. August, wurde Silke Schiller in der Andreaskirche in Firrel zur Pastorin ordiniert. Musikalisch gestaltet wurde die Feier unter anderem vom Projektchor und vom Posaunenchor unter der Leitung von Elke Wallenstein sowie von Heike Post an der Orgel. Kinder und Mitarbeitende der Gemeindehaus- und Waldgruppe eröffneten den Gottesdienst mit zwei Liedern.
Bei der Ordination standen Menschen an Schillers Seite, die sie auf unterschiedlichen Stationen ihres bisherigen Weges begleitet haben: Kirchenvorstandsvorsitzender Ewald Pollmann, ihre Vikariatskollegin und Freundin Judith Bollongino, Pastorin Imke Metz aus Jheringsfehn sowie die Pastoren Ulrich Menzel und Dietmar Hallwaß.
Ein Weg, der im Gehen entsteht
Für Silke Schiller begann ihr Weg ins Pfarramt 2015. Mit 21 Jahren nahm sie in Göttingen das Theologiestudium auf. Vorbereitet wurde dieser Weg dabei auch durch Menschen aus ihrer Heimatgemeinde. Pastor Ulrich Menzel hatte sie konfirmiert, später begleitete Imke Metz sie in ihrer Konfi- und Jugendarbeit. Kirche habe sie dabei als „bunte Gemeinschaft der Verschiedenen“ erlebt – eine Erfahrung, die ihren eigenen beruflichen Weg mitprägte.
Im Studium lernte Schiller nicht nur Theologie, sondern auch sich selbst und ihre Gaben besser kennen. Eine KSA-Ausbildung stärkte ihre seelsorgerlichen Kompetenzen. Während ihrer Zeit im Theologischen Stift Göttingen sammelte sie Erfahrungen im Zusammenleben mit sehr unterschiedlichen Menschen und in gemeinschaftlicher Verantwortung.
Im Vikariat in Drakenburg-Heemsen lernte sie, wie unterschiedlich Menschen ihren Glauben leben und welche Möglichkeiten sich daraus für Gemeinde ergeben. Ihr damaliger Mentor Dietmar Hallwaß beschrieb sie als „Schatzsucherin“: als jemand, die aufmerksam wahrnimmt, welche Gaben Menschen mitbringen und wie diese in der Gemeinde sichtbar werden können.
Für Schiermeyer ist genau diese Offenheit eine wichtige Stärke der künftigen Pastorin. „Sie sind offen für die Menschen, Sie hören ihnen zu und lassen sie sein, wie sie sind“, machte sie in ihrer Ansprache deutlich. Kirche lebe davon, dass unterschiedliche Menschen und Begabungen zusammenkommen.
„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz“
Im Mittelpunkt der Ordinationsfeier stand Schillers Ordinationsspruch aus Psalm 139: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.“
Schiermeyer verband diesen Vers mit einem zentralen Gedanken ihrer Ansprache: Gott kennt den Menschen nicht nur – er liebt ihn. „Der Gott, der mich liebt, darf mir Navi-Signale geben und mich leiten“, sagte die Regionalbischöfin. „Der Gott, der mich liebt, ist auch da, wenn der Weg zu steil, zu dunkel, zu schwer wird, und hilft mir ins Ziel.“
„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, sagte Schiermeyer zu Silke Schiller. Zugleich machte sie deutlich: Mit der Ordination sei der Weg nicht zu Ende. „Sie bleiben auf dem Weg.“ Nun führe dieser Weg zurück in die alte Heimat, in die Nähe ihrer Familie und in die Andreaskirchengemeinde Firrel – ihre erste Gemeinde als Pastorin.
Dort werde es weiterhin darum gehen, aufmerksam zu sein für die Menschen und für die „Navi-Signale Gottes“, wie Schiermeyer es formulierte. Sie ermutigte Schiller, neugierig darauf zu bleiben, wie sich Kirche in Firrel entwickeln könne: lebendig, vielfältig und offen für unterschiedliche Menschen. „Lassen Sie sich senden zu den Menschen, die Ihre Annahme und Ihren weiten Geist brauchen“, gab sie ihr mit auf den Weg.
„Pastorin Schiller klingt gut, oder?“
Nach der Ordination verlas Superintendent Thomas Kersten die Ordinationsurkunde und überbrachte die Grüße des Kirchenkreises Rhauderfehn. Mit einem Augenzwinkern stellte er fest: „Pastorin Schiller klingt gut, oder?“
Für Silke Schiller beginnt ein neuer Abschnitt – in vertrauter Umgebung und zugleich mit neuen Aufgaben.
Julia Fischer
Sprengel Ostfriesland-Ems