Hollen/Filsum/Detern. Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich bei bestem Sommerwetter zur zweiten Orgel-Radtour im Kirchenkreis Rhauderfehn auf. Unter der Leitung von Kirchenkreiskantorin Heike Kieckhöfel führte die musikalische Fahrradtour in diesem Jahr zu den Kirchen in Hollen, Filsum und Detern. Auf gut ausgewählten Nebenwegen ging es von einer Kirche zur nächsten. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die Kirchengebäude, sondern vor allem deren ganz unterschiedliche Orgeln.
Nach einer „orgeltypischen“ Erfrischung vor der Kirche (Prinzipal-2-Frucht, Mixtur, Sesquialtera-2-Frucht) stellte Heike Kieckhöfel die Instrumente in jeweils etwa 20-minütigen Programmen vor. Mit viel Fachwissen und ebenso viel Humor und einer gehörigen Portion Unterhaltung erläuterte sie die Besonderheiten der jeweiligen Orgel und ließ die Instrumente anschließend selbst zu Wort kommen.
Auftakt in Hollen
Den Auftakt bildete die Kirche in Hollen mit ihrer 1987 bis 1989 von der Firma Alfred Führer aus Wilhelmshaven erbauten Orgel. Das Instrument verfügt über 12 Register auf einem Manual und Pedal. Der neugotische Prospekt fügt sich harmonisch in den Kirchenraum ein.
Auf dem Programm standen Johann Sebastian Bachs Präludium G-Dur, eine Fanfare von Guillaume Lascaux, der Grand Choeur von Thomas Adams, Variationen über „Meinem Gott gehört die Welt“ von Thomas Riegler sowie ein Allegro B-Dur von Johann Walther.
Besonders die Variationen von Thomas Riegler zeigten eindrucksvoll die klanglichen Möglichkeiten des Instruments. Von sanften, schmeichelnden Klängen über kräftige, schmetternde Passagen bis hin zu beinahe kirmesorgelartigen Klangwirkungen reichte die Palette. Dabei verband die Musik traditionelle Elemente mit modernen Rhythmen und sorgte bei den Zuhörerinnen und Zuhörern für so manchen überraschenden und amüsanten Moment, der am Ende mit viel Applaus honoriert wurde.
Mit dem Fahrrad nach Filsum
Nach etwa einer halben Stunde auf dem Fahrrad führte die Tour über ruhige und landschaftlich reizvolle Nebenwege nach Filsum. In der St.-Paulus-Kirche wartete bereits die nächste Orgel auf ihre musikalische Vorstellung.
Das Instrument wurde 1961/62 von der Firma Alfred Führer in Wilhelmshaven neu erbaut und mit einem neuen Gehäuse versehen. Es besitzt 16 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Das Programm umfasste Johann Walters Allegro in F-Dur, Johann Sebastian Bachs „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“, „Straight Ahead“ von Michael Schütz, Bachs „Vom Himmel hoch“ (mit Zimbelstern) sowie Nigel Ogdens humorvolles Stück „Penguins Playtime“.
Neben der Orgel gab es auch Wissenswertes über die Kirche selbst zu erfahren. Pastor Bernhard Berends erläuterte kenntnisreich einige Besonderheiten und Hintergründe des Filsumer Gotteshauses.
Abschluss in Detern
Anschließend ging es erneut auf kleinen Wegen abseits der großen Straßen weiter nach Detern. Dort erwartete die Gruppe ein besonders geschichtsträchtiges Instrument, das direkt über dem Altar angebracht ist.
Die Orgel geht auf einen Neubau von Wilhelm Eilert Schmid aus Leer aus den Jahren 1818/19 zurück. Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie mehrfach verändert und umgebaut. 1910 nahm Johann Martin Schmid aus Oldenburg Veränderungen an der ursprünglichen Disposition vor. 1930 erfolgten ein weiterer Umbau und der Einbau eines elektrischen Gebläses durch P. Furtwängler & Hammer aus Hannover. 1951 wurde das Instrument durch die Firma Emil Hammer aus Hannover umgebaut. Eine Restaurierung durch die Firma Alfred Führer aus Wilhelmshaven folgte 1981/82, eine weitere Restaurierung wurde 2002 von Martin ter Haseborg aus Uplengen durchgeführt.
Heute verfügt das denkmalgeschützte Instrument über 11 beziehungsweise 12 Register, ein Manual und angehängtes Pedal sowie mechanische Traktur und Schleifladen. Seit 1952 steht die Orgel unter Denkmalschutz.
Zum Abschluss erklangen „Allegro“ von Ebenezer West, das Finale von Felix Mendelssohn Bartholdy, „Keep Cool“ von Michael Schütz, Thomas Rieglers „Wohl denen, die da wandeln“ und Nigel Ogdens „Scherzo for a White Rabbit“.
Musik, Bewegung und gute Laune
Nach drei Kirchen und drei sehr unterschiedlichen Orgeln endete die zweite Orgel-Radtour des Kirchenkreises Rhauderfehn mit lang anhaltendem Applaus. Die rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedankten sich damit bei Heike Kieckhöfel für eine gleichermaßen informative, musikalisch abwechslungsreiche und überaus unterhaltsame Tour.
Die Veranstaltung zeigte, wie vielfältig Orgelmusik sein kann und wie spannend es ist, die unterschiedlichen Instrumente einer Region unmittelbar vor Ort kennenzulernen. Die Verbindung aus Fahrradfahren, Kirchen, Geschichte und Musik machte auch die zweite Orgel-Radtour zu einem besonderen Erlebnis – und weckte sicherlich bei vielen schon die Vorfreude auf die nächste Tour.