Rhauderfehn. Ein festlich gedeckter Tisch, historische Speisen, Musik und geistliche Gedanken: Mit einem ökumenischen Luthermahl wurde am Reformationstag 2026 im Gemeindehaus an der Hoffnungskirche an Martin Luther und die Botschaft der Reformation erinnert. Rund 80 Gäste folgten der Einladung und erlebten einen Abend voller Gemeinschaft, Genuss und Besinnung.
Schon beim Betreten des Gemeindehauses erwartete die Besucherinnen und Besucher eine stimmungsvolle Atmosphäre. Liebevoll dekorierte Tische, Servietten mit Luthermotiven und Kerzen mit der Lutherrose sorgten für einen festlichen Rahmen. Auch das Lutherbier aus Thüringen durfte an diesem Abend nicht fehlen.
Nach der Begrüßung durch Frerich Dreesch-Rosendahl und der musikalischen Einstimmung durch Kirchenkreiskantorin Heike Kieckhöfel am Klavier stand ein besonderer Gast im Mittelpunkt: Pastor Ingo Brookmann von der reformierten Gemeinde Leer-Loga schlüpfte in die Rolle Martin Luthers und trug Auszüge aus dessen Tischreden vor. Damit verband er auf anschauliche Weise die Gedanken des Reformators mit Fragen des Glaubens und des Lebens.
Geistliche Impulse aus den Schriften Martin Luthers zwischen den Gängen
In drei Tischreden griff der als Martin Luther auftretende Pastor zentrale Themen Luthers in Bezug auf den christlichen Glauben auf.
Die erste Tischrede widmete sich Christus als dem einzigen Arzt gegen den Tod. Während Menschen vieles unternehmen, um ihr irdisches Leben zu bewahren, gerate leicht aus dem Blick, dass Jesus Christus ewiges Leben schenke. Wer auf Christus vertraue, müsse den Tod nicht als endgültige Niederlage fürchten. Denn Christus habe der Macht von Sünde und Tod ihre letzte Gültigkeit genommen.
In der zweiten Tischrede ging es um das Wesen des Glaubens. Dabei wurde deutlich, dass Menschen mit ihren Ängsten, ihrer Schuld und ihren Zweifeln nicht vor Gott fliehen müssen. Vielmehr dürfen sie sich ihm gerade in ihrer Schwachheit anvertrauen. Christus begegne ihnen nicht mit Verurteilung, sondern mit Gnade und Vergebung.
Die dritte Tischrede stellte die Kraft des göttlichen Wortes in den Mittelpunkt. Wenn Menschen Gottes Wort hören, spricht Gott selbst zu ihnen – durch die Bibel, die Predigt und die Sakramente. Entscheidend sei dabei nicht das Ansehen oder die Bedeutung derjenigen, die Gottes Wort verkündigen, sondern die Botschaft selbst. Sie schenke Orientierung, stärke den Glauben und eröffne immer wieder die Möglichkeit, umzukehren und neu anzufangen.
Kulinarische Zeitreise in Luthers Welt
Neben den geistlichen Impulsen kam auch der kulinarische Genuss nicht zu kurz. Auf dem Speiseplan standen Gerichte, die an die Esskultur der Reformationszeit erinnerten.
Den Auftakt bildete Lauchmus, das mit Mandelmilch zubereitet worden war. Anschließend wurde kräftiges Lutherbrot aus Roggen mit grob geschrotetem Brotgewürz gereicht. Das frisch gebackene Brot stammte aus dem Ofen von Helmut Boekhoff. Dazu gab es Quark mit Gartenkräutern, mild gesäuerte Butter und Quittengelee aus Klostermoorer Gärten.
Als herzhaftes Hauptgericht folgte eine Hähnchenpfanne mit Zimt-Nelken-Sauce und Graupen als Beilage. Den süßen Abschluss bildete Hirsebrei mit gewürztem Fruchtkompott. Begleitet wurde das Menü von Lutherbier aus Thüringen oder Mineralwasser aus dem Norden.
Die besonderen Speisen, die Werner Stalljanns und Sandra Gräfenstein-Plaisier zubereitet hatten und die historischen Tischreden ließen die Welt Martin Luthers auf lebendige Weise erfahrbar werden.
Gemeinschaft im Geist der Reformation
Das ökumenische Luthermahl machte deutlich, dass die Reformation nicht nur ein historisches Ereignis ist. Ihre zentralen Fragen nach Glauben, Gnade, Vergebung und der Bedeutung des Wortes Gottes sind bis heute aktuell.
Zugleich bot der Abend Gelegenheit, Gemeinschaft über Konfessionsgrenzen hinweg zu erleben und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das gemeinsame Essen, die Musik und die geistlichen Gedanken bildeten eine schöne Verbindung, um Leib und Seele etwas Gutes zu tun.
So stand am Ende nicht nur die Erinnerung an den Reformator Martin Luther, sondern vor allem die Botschaft, die sein Wirken prägte: Der Mensch darf auf Gottes Gnade vertrauen, sich seiner Vergebung gewiss sein und aus diesem Vertrauen heraus immer wieder neu beginnen.