Mit einem bewegenden 2stündigen Gottesdienst in der voll besetzten St. Martins Kirche in Remels wurde Pastorin Marion Steinhorst-Coordes nach 37 Jahren Dienst in der Kirchengemeinde Remels feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Die große Beteiligung aus Gemeinde, Kirche, Politik und Ökumene machte deutlich, welche Spuren sie in fast vier Jahrzehnten hinterlassen hat.
Marion Steinhorst-Coordes wurde am 8. Dezember 1959 in Sandhorst bei Aurich geboren, wuchs mit zwei Schwestern in einer Handwerkerfamilie auf und studierte Theologie in Hamburg. Am 3. September 1989 wurde sie in Remels ordiniert. Bereits zum 1. September 1989 trat sie dort ihren Dienst als Hilfspfarrerin an, ab Januar 1990 als Pfarrerin auf Probe und seit August 1993 als Inhaberin der Pfarrstelle II. Remels wurde ihr Lebensmittelpunkt und ihre geistliche Heimat. Gemeinsam mit ihrem Mann Klaus-Dieter zog sie ihre beiden Söhne Martin und Enno groß.
In ihrer Abschiedspredigt über Lukas 13,10–14 nahm Steinhorst-Coordes die Gemeinde mit auf eine eindrückliche Auslegung der Heilung der gekrümmten Frau. Mit Alltagsbeispielen rund um Rückenschmerzen, gesellschaftliche Belastungen, Angst und Ausgrenzung schlug sie den Bogen zur Gegenwart. Jesus, so ihre zentrale Botschaft, sieht den Menschen, ruft ihn aus seiner Enge heraus und schenkt eine neue Haltung – körperlich wie geistlich. Kirche müsse immer wieder ihren Standpunkt verlassen, Nähe wagen und neue Wege gehen. Auch nach dem Ruhestand bleibe der Ruf Jesu bestehen: Menschen aufzurichten und an Gottes Nähe zu erinnern.
Musikalisch wurde der Gottesdienst unter anderem vom Posaunenchor gestaltet, der mit „Thank you for the music“ (ABBA) einen heiteren Akzent setzte – ein augenzwinkernder Hinweis auf den vollbesetztenABBA Gottesdienst aus der vergangenen Woche an gleicher Stelle.
In der Laudatio würdigte Thomas Kersten das Wirken der scheidenden Pastorin. Ausgehend von ihrem Konfirmationsspruch „Halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott“ zeichnete er ihren Weg als von Hoffnung, Treue und Durchhaltevermögen geprägt. Er erinnerte an prägende Stationen wie Krankheit, Herausforderungen im Vikariat, unzählige Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Jugendfreizeiten und seelsorgerliche Begleitung. Remels sei zu ihrer Heimat geworden, ihr Dienst gelebte Berufung.
In ihren Dankesworten blickte Marion Steinhorst-Coordes selbstkritisch und dankbar zurück. Sie betonte, dass der Ruhestand für sie kein Abschied von der Gemeinde sei, sondern ein neuer Lebensabschnitt. Dank richtete sie an die Ehrenamtlichen, die Kirchenmusik, das Kirchenamt, die ökumenischen Partner, die Bürgermeister und besonders an ihren Mann Klaus-Dieter – „mein größter Fan und mein schärfster Kritiker“. Sie bat um Vergebung für Fehler und Versäumnisse und ermutigte die Gemeinde, ihrer Kirche treu zu bleiben und offen für neue Wege zu sein.
Auch der Kirchenvorstand verabschiedete sich mit warmen Worten. „Eine Ära endet“, hieß es, verbunden mit der Hoffnung, dass die Gemeinde nun die Freiheit finde, Neues zu wagen. Der oft gehörte Satz „Marion hat das immer so gemacht“ solle bewusst der Vergangenheit angehören.
Mit Musik, Applaus, persönlichen Worten und einem plattdeutschen Lied aus der Feder der Pastorin selbst endete ein Abschied, der von Dankbarkeit, Wehmut und Zuversicht geprägt war – und der zeigte, wie tief Marion Steinhorst-Coordes das Leben der Gemeinde Remels geprägt hat.
Bei der anschließenden Teetafel in der benachbarten Grundschule reihten sich verschiedene Grußworte und musikalische Beiträge aneinander, die deutlich machten, dass die Wertschätzung von Marion Steinhorst-Coordes in der Gemeinde und auch über die Grenzen der Gemeinde hinaus groß ist.