„Geerdete Theologie“

Nachricht 14. Dezember 2020

Regionalbischof Klahr führte Thomas Kersten als Superintendent des Kirchenkreises Rhauderfehn ein

öso. Rhauderfehn. Regionalbischof Dr. Detlef Klahr führte Thomas Kersten am Dritten Advent in sein Amt als Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Rhauderfehn ein. Zudem wurde Kersten die Erste Pfarrstelle der pfarramtlich verbundenen Kirchengemeinden Westrhauderfehn und Rhaude im Umfang einer Viertel-Pfarrstelle übertragen.

„Wir leben in diesem Advent in einer besonderen Zeit. So feiern wir stellvertretend für viele andere Gottesdienst“, sagte der Regionalbischof und bezog sich darauf, dass Gottesdienste zur Zeit nur von einer begrenzten Personenzahl besucht werden können.

„Der ursprünglich in der Sporthalle des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums geplante Festgottesdienst wurde angesichts der Entwicklungen der Pandemie in einen kleineren Rahmen kurzfristig in die Hoffnungskirche verlegt“, sagte Pastor Martin Sundermann in seiner Begrüßung. Sundermann hatte 14 Monate lang die vakante Stelle des Superintendenten vertreten.

Der Festgottesdienst fand mit 79 geladenen Gästen statt, die sich vorher angemeldet hatten. Eine Video-Aufzeichnung ist auf der Homepage der Kirchengemeinde und des Kirchenkreises zu sehen.

Landesposaunenwart Hayo Bunger gestaltete mit dem vierköpfigen Bläserensemble „Akzente Brass“ den Gottesdienst musikalisch. Die Pastoren des Pfarrverbandes Rhaude und Westrhauderfehn, Hartmut Kutsche, Hermann Detjen und Frerich Dreesch-Rosendahl, die Vorsitzende der Kirchenkreissynode, Petra Prins, Kirchenvorstandsvorsitzender Helmut Hartema, Pastorin Henrieke Lüers und Pastor Simon de Vries aus Nordhorn wirkten im Gottesdienst mit.

 

„Geerdete Theologie“ und ökumenische Weite

Dem neuen Superintendenten sei eine „geerdete Theologie“ eigen, sagte  Regionalbischof Klahr. Kersten sei es wichtig, Theologie mit dem Leben zu verbinden und Gottes Wort im Alltag zu leben. So habe sich Kersten den Lehrtext des Dritten Advents für die Einführungshandlung gewünscht: „Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.“ (1. Johannes 4,14)

Damit werde die Aufgabe eines jeden Christen beschrieben, so Klahr: „Es ist unsere Aufgabe, der Welt zu bezeugen, was wir im Glauben erfahren haben.“

„Die Wurzeln des Glaubens fangen da an, wo wir herkommen, wenn wir in unserer Kinder- und Jugendzeit in unserer Frömmigkeit geprägt wurden“, sagte Klahr und beschrieb den Werdegang des neuen Superintendenten. Thomas Kersten (50) ist in Altenau im Harz aufgewachsen und hat hier eine motivierende kirchliche Jugendarbeit erlebt. Nach dem Abitur in Clausthal-Zellerfeld begann er 1989 mit dem Theologiestudium in Bethel, ging nach drei Jahren nach Göttingen und erlebte von dort aus einen Monat im Austauschstudium in Denver/Colorado (USA). Nach dem Zweiten kirchlichen Examen absolvierte Kersten ein Auslandsvikariat in British Columbia im Westen von Kanada. Dort wurde er 1999 zum Pastor ordiniert und hatte bis 2004 eine Pfarrstelle in Kelowna inne. Im Jahr 2005 wechselte Kersten nach Nordhorn und sammelte hier in den letzten Jahren als Stellvertretender Superintendent erste Erfahrungen im Superintendentenamt.

Die Auslandsaufenthalte hätten Kersten den Blick über den Tellerrand und den Blick für die ökumenische Zusammenarbeit geschenkt, so Klahr.

 

Gott loben erleichtert von aller Last

„Gott loben ist Erleichterung von aller Last“, sagte Superintendent Thomas Kersten in seiner Predigt über den Lobgesang des Zacharias (Lk 1,67-79). Dies sei Teil seiner persönlichen Glaubenserfahrung, sagte Kersten. „Geben wir diesem Lied eine Chance, in uns zu wirken! Wir dürfen als Befreite leben von aller Last.“ Dies sei eine Mut machende Botschaft in Zeiten großer Verunsicherung. Die Geschichte von Zacharias und dessen Frau Elisabeth, die noch im hohen Alter einen Sohn bekamen, zeige, dass Gott gegen alle Erwartung Unmögliches möglich mache, so Kersten.

Zacharias singe, damit das aufgehende Licht aus der Höhe denen leuchte, die in der Finsternis sitzen, und ihre Füße auf den Weg des Friedens geleitet werden. Dies sei in den bevorstehenden Monaten von besonderer Bedeutung. „Jeder kleine Schritt auf dem Weg des Friedens zählt.“

Aufgabe eines jeden Christen sei es, von Christus als Herrn und Heiland zu erzählen, dass er die Barmherzigkeit in Person sei. „Stehen wir den Alten und Kranken bei!“, sagte Kersten. Auch sei es in der Pandemie-Zwangslage wichtig, die Kirche geöffnet zu halten. „Die Kirche ist lebensrelevant in dieser Zeit!“, so der Superintendent.

Herzlicher Empfang

Nach dem Gottesdienst gab es in der Hoffnungskirche Gelegenheit für einige Grußworte. Ein Empfang konnte nicht stattfinden.

Helmut Hartema hieß als Vorsitzender des Kirchenvorstands für die Gemeindeglieder der Kirchengemeinde Westrhauderfehn Familie Kersten herzlich Willkommen: „Wir sind dankbar und voller Vertrauen.“

Pastor Martin Sundermann überbrachte als Stellvertretender Superintendent Grüße der Pastorenschaft und der im Kirchenkreis Mitarbeitenden. Auch verlas er Grüße des Präsidenten der indischen Partnerkirche, der Evangelisch-lutherische Kirche des guten Hirten (kurz: GSELC).

Bürgermeister Geert Müller aus Rhauderfehn sprach im Namen aller acht Kommunen, in denen der Kirchenkreis Rhauderfehn liegt: „Wir arbeiten als Kommunen sehr intensiv mit der Kirche zusammen“, sagte Müller und nannte zuerst die Kindertagesstätten, aber auch die Beratungsstellen, von denen Menschen Beratung und Hilfe bekämen.

Pfarrer Torsten Brettmann von der römisch-katholischen St. Bonifatius-Kirchengemeinde lobte die gute ökumenische Zusammenarbeit.

Der Vorgänger im Superintendentenamt, Gerd Bohlen, sagte: „Die Zeit des Wartens ist vorbei!“ Nach der 14-monatigen Vakanzzeit seit seines Weggangs hob Bohlen wie viele andere Redner auch die Leistung der Ephoralsekretärin Maike Schulte und der beiden stellvertretenden Superintendenten Heino Dirks und Martin Sundermann hervor.

Der Superintendent des Kirchenkreises Emsland-Bentheim, Dr. Bernd Brauer, hieß Thomas Kersten im Kreis der sechs Superintendenten des Sprengels Ostfriesland-Ems willkommen und Pastor Simon de Vries überbrachte Grüße der Nordhorner Kollegen.

Die Vorsitzende der Kirchenkreissynode, Petra Prins, freute sich über die Einführung des neuen Superintendenten und dankte dem Wahlvorstand und der Kirchenkreissynode, dass der Zeitplan der Wahl trotz widriger Umstände eingehalten werden konnte. Die Kirchenkreissynode hatte am 23. Juni Pastor Thomas Kersten aus Nordhorn im ersten Wahlgang mit eindeutiger Mehrheit zum Superintendenten gewählt.

 

Information:

Der Superintendent ist der leitende Geistliche eines Kirchenkreises, dem Zusammenschluss mehrerer Kirchengemeinden. Superintendenten visitieren die Gemeinden und andere kirchliche Körperschaften ihres Kirchenkreises. Sie nehmen die Dienstaufsicht über die Mitarbeitenden wahr und vertreten den Kirchenkreis in der Öffentlichkeit. Der Vorgänger im Amt, Gerd Bohlen, war Ende September 2019 nach 21 Jahren als Superintendent in den Ruhestand verabschiedet worden.

Der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Rhauderfehn ist einer der sechs Kirchenkreise im Sprengel Ostfriesland-Ems und umfasst 20 Kirchengemeinden mit rund 42.000 Gemeindegliedern.