Von G.K. Padu zurück nach Vinaya Kapuram

Nachricht 30. Januar 2019

Morgens Begrüßung mit den Hostelkindern – 27 Kinder sind da (21 Mädchen und sechs Jungs), drei Kinder fehlen. Sie singen ein Lied – das erste Lied von Hostelkindern, bei dem ich eine Melodie erkennen kann. Ein Mädchen singt ein Solo vor; die Hostelkinder-Sprecherin (!) bedankt sich artig für unsere Hefte, Stifte und Anspitzer. 

G.K.Padu ist ein Parish-Zentrum der GSELC; dies ist die Gemeinde, aus der der ehemalige Präsident Johnkanth stammte (er ist ganz in der Nähe begraben). Die Gemeine hat eine schöne Kirche (vor vielleicht 30 Jahren mit Hilfe des FMD gebaut) und hat im Laufe der Zeit so viele Zweig-Gemeinden hervorgebracht, dass jetzt in der Mutter- und Stammgemeinde nur noch 30-35 Gemeindeglieder sind, die von einem alten Pastor betreut werden. In der Flut, die vom Polaveram-Damm erzeugt wird, werden allerdings viele Zweiggemeinden untergehen – G.K.Padu wird bleiben.

Wir fahren weiter. Unterwegs erreichen wir die Brücke über die Sabari; nur einen Kilometer weiter südlich mündet dieser große Fluss in die Godaveri ein – man kann die Mündung von hier aus gut sehen. Beim Weiterfahren bemerke ich: an den Rändern der Straße ist hier Urwald, ab und an sogar ein ganz unberührtes Stück – doch die Menschen drängen immer weiter in den Wald vor. 

Wir kommen in der Gemeinde Arkuru  an, die von Esther Rani geleitet wird. Es gibt ein großes Gebetstreffen – Holger Rieken predigt über die Sturmstillung, die sich die mit dem Fluss verbundenen Stammesleute sicher gut vorstellen können. Der größte Teil dieser Gemeinde wird in den Fluten des Staudammes untergehen.

Dann der emotionalste Moment dieser Reise: Teetrinken bei Esther Rani. Vor zwei Jahren hat ihr Bruder ihr ein schönes Haus gebaut, auf dessen Veranda sie uns empfängt. Sie erinnert sich gut an Anita Broers, bei der sie 2008 übernachtet hat. Ab und an kichert sie umbefangen wie ein Mädchen, aber an einer Stelle kommen ihr auch die Tränen - als sie über ihre Kirche spricht. Wir wissen alle, dass dies ein Abschiedsbesuch sein könnte – der Abschied fällt uns allen schwer.

Dann steigen wir aus dem Bus; es geht eine steile Uferanhöhe bergab – dann stehen wir auf dem Flussbett der Godaveri. Jetzt in der Trockenzeit führt sie nur wenig Wasser; wir laufen fast einen Kilometer über sandiges Flussbett. Dann kommt die eher schmale Fahrrinne, in der noch Wasser fließt. Ein Motorboot vom gegenüberliegenden Ufer kommt uns entgegen, voller junger Frauen, die von einer Hochzeit kommen. Wir steigen ein und fahren mit dem Boot einmal quer über den Fluss – bei Sonnenuntergang. Ein starker Moment!

Auf der anderen Seite erwarten uns auf der Straße zwei Autos, die uns nach Latschi Gudem bringen (selber Name wie der Ort am Dienstag – aber während der Ort von gestern nördlich der Godaveri liegt, liegt dieses Subcenter von der GSELC südlich des Flusses). 

In Latschi Gudem wurde auf dem Dorfplatz ein großes Zelt für ein Prayer meeting aufgebaut. Es sieht hier wirklich nach Zeltmission aus! Einige Lautsprecher, Strahler und Trommeln sind aufgebaut worden, es wird richtig laut. Holger Rieken stellt uns als Gruppe vor: wir sollen eine Sache sagen, die wir von der GSELC ganz besonders erinnern und ins Gebet mitnehmen werden. 

Dann wird nebenan in der Kirche ein Kind gesegnet: die Frau war zur Geburt zu ihren Eltern gezogen; jetzt, nach einem Monat, kehrt sie wieder mit Kind zu ihrem Mann zurück. Die Geburt ist gut gegangen, Mutter und Kind sind wohlauf. Das wird gefeiert.

Ein Lehrer gibt noch Zeugnis von einem freudigen Erlebnis: er hatte eine seiner Schülerinnen immer ermutigt, doch etwas aus ihrer Bildung zu machen. Und nun hat diese junge Frau nicht nur ihren Schulabschluss geschafft, sondern auch noch die Lehrerinnenausbildung – und hat eine Arbeitsstelle als Lehrerin gefunden. Alle sind ganz berührt von dieser mutmachenden Lebensgeschichte.

Wir bekommen Schals als Gastgeschenk der Gemeinde von Latschi Gudem umgelegt, dann versammeln wir noch einmal die Kirchenleitung in einem Privathaus. Wir reden noch miteinander, dann sprechen wir ein Abschlussgebet und Michael Thiel gibt uns allen den Segen.

Draußen wartet mittlerweile der Bus wieder auf uns. Er musste 140 km Umweg über die Brücke bei Badrachalam fahren. Schließlich kommen wir sehr müde und sehr spät in Vinaya Kapuram an, wo wir noch einmal in der Kirche übernachten.

Henning Behrends