Treffen mit der United Evangelical Lutheran Church of India (UELCI)

Nachricht 24. Januar 2019

Wir fangen mit einer Morgenandacht an – lesen die Losung, beten zusammen und schließen mit einem Vaterunser ab.

Dann verteilen wir die Gastgeschenke, die wir mitgebracht haben, für die offiziellen Gastgeber unserer Reise: UELCI, Kinderheim Pandur...

Wir fahren eine kurze Strecke zur United Evangelical Lutheran Church of India (UELCI), deren Büros sich auf dem Geländes des theologischen Seminars von Gurukul befinden, mitten in Chennai. 12 lutherische Kirchen haben sich zur UELCI zusammengeschlossen, einem Dachverband ähnlich wie der VELKD in Deutschland. Der Exekutiv-Sekretär ist Dr. Augustine, ein würdevoller, älterer Herr, der schon sehr lange in den lutherischen Kirchen unterwegs ist und sich ausgezeichnet auskennt. Wir treffen ihn in einem Versammlungsraum des Colleges – er hat seine 12 wichtigsten Mitarbeiter mitgebracht. Sie stellen ihre Arbeit vor: die Frauenarbeit, interreligiöser Dialog, Arbeit in den Slums, Christian Education, Friedensarbeit in den Kirchen, Jugendarbeit, Stipendienarbeit und ein Programm gegen HIV-Aids (die UELCI war ein Pionier der Arbeit gegen HIV in Indien

Dr. Augustine gibt ein paar wichtige erste Einschätzungen:

  • Seit der Wahl der BJP-Partei in Indien 2014 wird es immer schwieriger, als Christ in Indien zu leben.
  • Es gibt Befürchtungen, wonach viele Kirchen in der Zukunft  staatlicherseits womöglich nicht mehr als Kirchen anerkannt werden.
  • Hilfen ausländischer Entwicklungshilfe-Organisationen (SIDA, FINNIDA u.a.) werden immer mehr eingeschränkt
  • Die Erteilung von Visa für Ausländer wird immer schwieriger.
  • Die Kirchen befürchten, dass Geld aus dem Ausland in Zukunft womöglich nicht mehr ins Land gelassen wird. Daher hat die UELCI ein Programm zur finanziellen Selbständigkeit gestartet (self reliance). Durch die Vermietung von Gebäuden soll versucht werden, innerhalb von Indien Einkünfte zu generieren.

Zum Treffen mit der UELCI ist auch die Leitung der GSELC gekommen: der Präsident, Pastor K. Daniel, der Kirchenleiter N. Daniel (gleichzeitig unser Übersetzer) und der Sekretär M. Karunacor. 

Wir fragen Dr. Augustine, wie er das derzeitige Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Indien einschätzt:

  • Christen sind in Indien immer an drei Markenzeichen erkannt worden: Bildung, medizinischer Arbeit, und dem Einsatz für die Armen. Dadurch haben sie sich in Indien einen guten Ruf  erworben. Wenn jetzt die Regierung in den Bildungs-Sektor eingreift, dann trifft das besonders die Christen.
  • In der indischen Verfassung, die u.a. von Dr. Ambedkar, einem Kastenlosen (Dallit) geprägt worden ist, werden Minderheiten besonders geschützt und gefördert, z.B. die Christen, Muslime und Sikhs. Diese Unterstützung staatlicherseits (positive Diskriminierung) bricht derzeit massiv weg. 
  • Es kommt jetzt viel auf die gesamtindische Wahl im Sommer 2019 an.

Dr. Augustine ermutigt uns sehr, theologische Ausbildung zu fördern – und die Bildung von Frauen: „Wenn du einer Frau in einem Dorf Bildung ermöglichst, so hast du das ganze Dorf gebildet.“

Henning Behrends