Lange Busreise nach Rajamundhri

Nachricht 26. Januar 2019

Heute geht es schon um 5:00 Uhr los. Wir haben außerdem noch einen zweiten Fahrer an Bord, damit sich die Fahrer unterwegs abwechseln können. Das Fahren ist herausfordernd! Wir lernen zu verstehen, warum in Indien so viel gehupt wird: bei jedem Überholvorgang hupt der Überholende ausführlich, damit der Überholte weiß, dass ein Auto im Kommen ist – und nicht irgendwelche unbedachten Fahrbewegungen macht. Das trägt deutlich zur Sicherheit bei. Die große Überlandstraße ist in gutem Zustand – man muss dafür Maut bezahlen; immer wieder müssen wir durch Stationen hindurch, in denen wieder Maut fällig ist.

Heute ist 70. „Republic Day“, ein Feiertag, an dem alle freihaben, an dem aber auch viel an den Straßen kontrolliert wird. Daher fahren wir so schnell es geht aus Chennai heraus. Wir kommen gut voran, am Wegrand gibt es Tee oder Kaffee (indischer Kaffee schmeckt uns allen sehr gut), später ein Frühstück mit Dooßa (einem leckeren gebackenen Reis-Fladen), dann ein sehr schmackhaftes Mittagessen. Das indische Essen ist wieder köstlich – und unsere Fahrer kennen Orte am Wegrand, wo man gut essen kann. Einzig an die Schärfe muss ich mich wieder gewöhnen.

Holger Rieken hält uns wieder eine Morgenandacht – mit Psalm 107. Es ist ungewohnt, beim Fahren in einem indischen Kleinbus gemeinsam eine Andacht zu feiern – aber es geht gut.

Die Menschen, Tiere und Landschaften ziehen vorbei: viele Fabriken (Indien ist kein Entwicklungsland mehr, sondern ein Schwellenland!), grüne Reisfelder, Häuser in allen Größen und Formen,  Motorräder, bunt bemalte LKWs, private PKWs. Ab und an liegt am Straßenrand ein verunglücktes Auto, teilweise mit furchtbaren Schäden; man lässt sie offensichtlich nach Unfällen einfach da liegen, wo sie verunglückt sind. Ab und an sehen wir auch Tempel oder große Götterstatuen am Wegrand stehen. Die Städte, durch die wir kommen, sind quirlig; die Kampagne gegen Plastikmüll greift mancherorts bereits (wir bekamen heute Kaffee aus Papierbechern; und vorgestern Zitronenwasser mit Papierstrohhalmen. Das ist vorbildlich!).

Nach 13 ½ Stunden Busfahrt fahren wir über die lange Brücke über den Godaveri-Fluss. Endlich sind wir am Fluss abgekommen! Direkt am gegenüberliegenden Ufer liegt Rajamundhri, wo wir im Le Hospin Hotel einchecken. Ein Hotel mit gutem Standard, deutlich eine Kategorie höher als in Chennai. Hier treffen wir auch Pastor K. Daniel, den Präsidenten (Bischof) unserer Partnerkirche wieder – und Pastor N. Daniel, seinen Übersetzer. Und wir verabschieden uns von unseren beiden Chauffeuren, die heute noch nach Chennai zurück fahren! Hier ist es 30 Grad warm, bei 89% Luftfeuchtigkeit. Es ist die kälteste Jahreszeit hierzulande!

Henning Behrends