Von Vinaya Kapuram bis nach G.K. Padu Teil 3

Nachricht 29. Januar 2019

Wir kommen schon bald in Serapaka an, wo unser zweites Schülerwohnheim liegt. Auch dieses ist im Bundesland Telangana gelegen; auch dieses ist von der Flut nicht betroffen. Wir werden am Eingang vom Hostel von den Schülern und Angestellten des Wohnheimes singend begrüßt. Blumenketten, Fußwaschung, mit Blumen beworfen werden... Fast schon ist dieses wunderbare Willkommen zur Normalität geworden.

Da die Schüler schnell in die Schule müssen (sie haben extra damit gewartet, um uns begrüßen zu können), wird die Begegnung mit ihnen vorgezogen. 39 von ihnen sind gekommen, die meisten Jungs, aber auch Mädchen (erst im nächsten Schuljahr werden die Mädchen nach Vinaya Kapuram umverteilt, und die dortigen Jungs kommen nach Serapaka). Lieder werden gesungen, ein Gebet gesprochen. 

Ute fragt nach den Berufswünschen der Kinder (nach der Schule). Genau wie in Vinaya Kapuram wollen auch hier die meisten Jungs Polizist werden – und die meisten Mädchen Lehrerin. Elektriker will keiner werden (!), und Pastor auch nur wenige.

Wir teilen die Postkarte mit den Kirchtürmen vom Kirchenkreis Rhauderfehn aus – und ich versuche anhand dieser Karte zu erklären, wer wir denn sind. Dabei fällt mir erst auf, dass die GSELC zwar Kirchen mit Kirchtürmen hat, dass darin aber keine Glocken hängen, sondern Lautsprecher positioniert sind, die die Umgebung beschallen...

Anschließend dürfen die Kinder Fragen an mich stellen. Erst kommt nichts, bis sich einige der Mädchen endlich trauen: Wo ist Deutschland? Wie lange ist man dahin unterwegs? Wie geht das mit dem Flugzeug? Was esst ihr in Deutschland? Was ist dein Lieblingsessen?  Wie alt bist du?

Die Bausubstanz dieses Muster-Hostels ist leider sehr angegriffen – teilweise kommt Regen durchs Dach und der Putz bröckelt ab, so dass die Armierung im Beton frei liegt und korrodiert. Kann man hier renovieren – oder muss eventuell sogar neu gebaut werden?

Wir gehen in einer Privathaus nur 50 Meter vom Hostelgelände entfernt zu einer Besprechung mit den Leitern der GSELC. Acht Kirchenleiter sind dabei: der Präsident, N. Daniel, der Sekretär, der Schatzmeister und andere. Wir sind als ganze Gruppe dabei. Das folgende Gespräch fasst die Kernfragen, die derzeit dran sind, gut zusammen:

  • Zukunftswerkstatt: die GSELC wünscht sich eine Gruppe, die die Zukunft der Kirche bedenkt. Daran sollen auch ausländische Ratgeber teilnehmen. MD Thiel und Ute Penzel machen darauf aufmerksam, dass in 14 Tagen in Chennai ein Runder Tisch geplant ist. Das wäre der richtige Rahmen, um diese Zukunftswerkstatt anzufangen.
  • Anstellung von zwei Verwaltungskräften in der GSELC: drei junge Leute aus der GSELC sind zu einem dreimonatigen Verwaltungspraktikum in der UELCI gewesen. Der eine ist der Sohn von Präsident K. Daniel, der Pastor ist. Die anderen beiden, junge Frauen, wären zum Aufbau einer Verwaltung in der GSELC von größtem Wert. 
  • Renovierung / Neubau des Hostels von Serapaka: das Hostel hat dringenden Renovierungsbedarf. Der Compound ist Eigentum des Tribal Trust und ist von der Flut nicht betroffen.
  • Beiträge der Eltern: Die Kirche versichert, dass sie im neuen Akademischen Jahr 2019/2020 Elternbeiträge einführen wird. Das wird von uns sehr begrüßt.
  • Theologische Ausbildung: Die Kirche hat eine junge Frau und einen jungen Mann zur Eingangsprüfung ans Gurukul-Seminar geschickt. Beide haben die Prüfung bestanden. Es ist noch unklar, wie ihre Studienjahre finanziert werden. Weiterhin ist geplant, drei Studenten im theologischen Fernstudienprogramm des ACTC in Haiderabad studieren zu lassen (ab 2020 dann jeweils zwei pro Jahr). Auch diese Finanzierung ist noch unklar.
  • Die Study-Groups des FMD: Wenn das Projekt weitergehen soll, muss sich die GSELC dafür mit dem FMD ins Benehmen setzen. Derzeit sind noch vier Gruppen aktiv.
  • Besuch aus Indien in Deutschland: der letzte Besuch von Indern bei uns im Kirchenkreis liegt fast sechs Jahre zurück (Juni 2013). Der letzte Besuch von uns in Indien gute vier Jahre. Zur Stärkung der Partnerschaft wird in Zukunft versucht regelmäßigere Besuche von hier nach dort zu planen. Wir laden die GSELC für 2020 oder 2021 zu einem Besuch bei uns ein.

Henning Behrends