Yad Vashem

Nachricht 18. Oktober 2018

Gedenkstätte für die Opfer des Holocaustes

Man kann nicht Israel und Jerusalem bereisen, ohne in dieser Gedenkstätte gewesen zu sein. Als Deutsche(r) schon gar nicht! Und wenn man dort gewesen ist, geht man beschämt, erschrocken, entsetzt wieder heraus – als Deutsche(r) erst recht. Denn diese Gedenkstätte, 1953 vom jüdischen Staat errichtet, dokumentiert und lässt einem nachempfinden, wie es dazu gekommen ist, dass am Ende 6.000.000 jüdische Menschen - Männer, Frauen und Kinder – um ihr Leben gebracht wurden. Am Ende kann man nur noch weinen.

Yad Vashem heißt auf deutsch: Denkmal und Name. Diesem Ort liegt ein Vers aus Jesaja 56,5 zugrunde: „Denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben. … einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.“ Es soll den Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal gesetzt und der Namen der Opfer und Täter gedacht werden. Gleich beim Betreten der Gedenkstätte wird erklärt: Jeder einzelne der 6 Mill. Juden war ein Mensch – ein Ebenbild Gottes. Und so lebt diese Gedenkstätte insbesondere von vielen namentlichen Einzelschicksalen.

Was mich schockiert hat: 1933, bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, waren nur 0,8 % der deutschen Bevölkerung Juden (= 525.000). Aber es ist gelungen, die Masse der Deutschen glauben zu lassen: Diese 0,8 % sind unser Unglück, unser Untergang. Die müssen weg! Kann sich etwas Ähnliches wiederholen, wenn es um das Thema Flüchtlinge in unserem Land geht? --- Wir hatten kürzlich eine Rabbinerin aus Wien zu Gast (Prof. Dr. Evelina Goodman-Thau). Sie sagte: „Was gewisse Abgeordnete im deutschen Bundestag von sich geben, das ist 1933.“

Der Nationalsozialismus in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts war überall zuhause: auch in Rhauderfehn; in Ostfriesland. In Yad Vashem, Jerusalem hängt ein Dokument von der Nordseeinsel Norderney. Stolz wird verkündet: Norderney ist juden-frei! Es stellt sich wieder und wieder die Frage: Warum ist niemand aufgestanden und hat protestiert? Wie haben die Kirchen sich dazu verhalten? Haben nicht zumindest die Protestanten - protestiert?

Nach dem Besuch dieser Gedenkstätte möchte man nur beten: Vergib uns unsere Schuld. Aber wir, unsere Generation, waren doch nicht schuld an dem, was damals geschehen ist! – mögen manche einwenden. Genau da beginnt die Schuld der Unschuldigen, die sich hinstellen und sagen: „Da kann man halt nichts machen! – One can‘t do anything!“ (aus einem nachdenkenswerten Text, der im Kibbuz Nes Ammim hängt).

Shalom - L'Shana Haba'ah B'Yerushalayim ( לשנה הבאה בירושלים ) – Nächstes Jahr in Jerusalem.

Euer Gerd Bohlen