Der 9. Nov und die Folgen --- Wem gehört dieses Land?

Nachricht 15. November 2018

Am 9. Nov. wurde der Reichsprogramnacht am 9. Nov. 1938 gedacht. Um mit Prof.  Jan Assmann (Friedenspreis des deutschen Buchhandels) zu sprechen: „Beschämend ist allein diese Geschichte, nicht aber die befreiende Erinnerung an sie, die wir mit den Opfern teilen!“ --- Hier in Israel habe ich wenig von dem Gedenken wahrgenommen; aber der Kantor in der Synagoge hat am Shabbat darauf hingewiesen, dass in Deutschland an vielen Stellen an dieses schlimme Ereignis erinnert wurde.

Der mit der Reichsprogromnacht beginnende Holocaust hatte weitreichende Folgen. In der aktuellen Ausgabe der ZEIT (vom 7. Nov.) liest man: „Die Schoh war der Ausgangspunkt für die Wiedererrichtung eines souveränen jüdischen Staates in der alten Heimat.“ Im Klartext: Die Situation, die wir heute in Israel mit dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern haben, ist nicht zuletzt durch den Nationsozialismus entstanden.

Während und nach der Shoa sind Juden aus aller Welt in Scharen nach Palästina ausgewandert. Im Mai 1948 hat Premierministerin Golda Meir vom Balkon eines Hochhauses hier in meiner Nachbarschaft ausgerufen: „2.000 Jahre haben wir auf die Erlösung gewartet. Jetzt ist sie gekommen. Juden – Masel Tov!“ Für die Juden bis heute ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Für sie ging damit eine Verheißung in Erfüllung, die Gott Abraham gegeben hat. Sie waren im Gelobten Land angekommen; hatten endlich einen Ort, von wo man sie nicht wieder vertreiben sollte.

Aber dieses Ereignis bedeutete für andere wieder Vertreibung: Denn dort, wo die Juden siedelten, lebten die Palästinenser. So fing 1948 ein neuer (Bürger-)Krieg an – mit schrecklichen Verlusten. Bis heute hält dieser Krieg an. Denn immer mehr Juden aus aller Welt kommen ins Land und lassen sich dort nieder. Die Palästinenser werden immer mehr eingeengt; viele - gerade die Christen- verlassen das Land und fliehen, z.B. nach Süd-Amerika.

Ich war in Beth-El – 33 km von Jerusalem entfernt. Die Stadt, die neben Jerusalem am häufigsten in der Bibel genannt wird! Ich wollte einmal dort gewesen sein, weil ich 1974 darüber meine 1. Theologische Arbeit geschrieben habe (Jakob in Bethel). In Beth-El ist nicht viel los. Das ist eine Siedlung von Juden, die immer größer und größer wird; außerdem gibt es ein militärisches Gebiet und ein paar km weiter die isolierte Wohnstatt der Palästinenser, die aber meist bei Googel-maps nicht ausgewiesen wird. Die Juden berufen sich auf die Verheißung der Bibel: „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. … und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, … (1. Mose 28, 13 u. 14)

Wem gehört dieses Land?? --- Immer wieder sagt man uns: Das ist die Schlüsselfrage überhaupt. Und viele Juden haben den Eindruck: Die Menschen in Deutschland und Europa stehen nicht hinter ihren Ansprüchen.

Wem gehört das Land? Darum geht es auch auf dem Tempelberg – dem Wahrzeichen Jerusalems. Dort stand der Tempel, der 70 n. Chr. zerstört wurde. Diesen riesengroßen Platz reklamieren die Moslems für sich; sie errichteten dort 691 den Felsendom. Nicht-Moslems dürfen nur zu ganz bestimmten Zeiten dorthin; Juden überhaupt nicht. Aber immer wieder versuchen radikale Juden auf den Tempelberg zu gelangen, um zu demonstrieren: Auch dieser Teil Jerusalems ist unser Land! Wir wurden Zeugen, wie ein Jude, der sich erdreistet hatte, dort hinzugehen, von Polizisten abgeführt wurde. Die Polizeigewalt über den Tempelberg hat wiederum Israel. Auch kurios!

Und dann gibt es plötzlich wieder einen Moment der Versöhnung: Indem ein vollbewaffneter Polizist der Israelis eine alte, gebrechliche muslimische Frau an die Hand nimmt, damit sie die Stufen zur Al-Aqsa-Moschee hinaufkommt. So geschehen auch immer wieder Zeichen und Wunder ….

Israel - ein Land voller Widersprüche. Ein Land voller Spuren Gottes, die er mit seinem Volk gegangen ist. Ein Land, in dem Jesus, unser Heiland und Erlöser, zuhause war. Und Jerusalem eine Stadt, in der alle monotheistischen Religionen vertreten sind, in der jede christliche Kirche präsent ist.

Eine faszinierende Stadt, ein beeindruckendes Land! Macht Euch auf den Weg. Es lohnt sich auf alle Fälle, einmal dort gewesen zu sein – fragt gerne bei mir nach.

Shalom - L'Shana Haba'ah B'Yerushalayim ( לשנה הבאה בירושלים ) – Nächstes Jahr in Jerusalem.

Euer Gerd Bohlen

[Damit endet der Reiseblog aus Jerusalem. Ich bin ab Montag, den 19. Nov. wieder in Rhauderfehn im Dienst. Ich danke für alle liebevolle Begleitung und für Eure Fürbitte. Ich hoffe, dass Sie den einen oder anderen Beitrag mit Gewinn gelesen haben.]