Erntedank auf Jüdisch – Sukkot / Laubhüttenfest

Nachricht 27. September 2018
Foto: Gerd Bohlen

Und G‘tt - Juden schreiben den Gottesnamen nicht aus und sprechen ihn auch nicht aus! Um konsequent zu sein, wird einfach ein Buchstabe ausgelassen! Wo der Name Gottes in der hebräischen Bibel geschrieben ist – den biblischen Text würden sie niemals ändern (!), lesen sie automatisch nicht das, was da steht sondern: Adonai = unser Gott! Damit hat es eine tiefe Bewandtnis –bei anderer Gelegenheit mehr dazu. Nur so viel: Wie leichtfertig gehen wir manchmal mit dem Namen Gottes um!

Also: „Und G’tt redete mit Mose und sprach: Sage zu den Israeliten: Am 15. Tage dieses siebten Monats ist das Laubhüttenfest für den Herrn, sieben Tage lang. Am ersten Tage soll eine heilige Versammlung sein; keine Arbeit sollt ihr tun…“ (3. Mose 23, 33-35)

Foto: Gerd Bohlen

Weil es so geschrieben steht in der Thora, der hebräischen Bibel, darum geschieht es. Seltsam: In der evangl. Kirche ist es uns in diesem Jahr nicht gelungen, uns auf einen einheitlichen Sonntag für das Erntedankfest zu verständigen: einige Gemeinden feiern es am 30. Sept., andere am 7. Okt. (wie es gerade am besten passt … nach menschlichem Ermessen).

In Israel ganz anders: Ob die Menschen gläubig sind oder nicht – 51 % der Bevölkerung Israels sind religiös: Nach dieser Vorgabe richtet sich das ganze Land. Bei der Gründung des Staates Israel vor genau 70 Jahren ist festgelegt worden, dass die jüdischen Feiertage allesamt gehalten werden. (Welche das sind, kann man in 3. Mose 23 nachlesen.) Das bedeutete: Wir hatten in dieser Woche wieder einen vollen Feiertag … das ganze Land steht still (wie schon beim Jom Kippur beschrieben)! Israel feiert SUKKOT – das ist das jüdische Erntedankfest.

Unser Lehrer Ophier Yarden erklärt Sukkot Foto: Gerd Bohlen

Sukkot heißt: Hütten! Die Besonderheit ist, dass die Familien sich - wenn’s irgend möglich ist, mit einfachsten Mitteln am Haus oder auf der Terrasse oder dem Balkon eine Hütte errichten, die mit Palmzweigen oder Bambusrohr bedeckt ist. Die Hütte soll unter freiem Himmel stehen –man soll die Sterne sehen können. Warum? „… dass Eure Nachkommen wissen, wie ich die Israeliten in Hütten habe wohnen lassen, als ich sie aus Ägyptenland führte. Ich bin der Herr, Euer G’tt.“ (V. 43) Darum: Wenn fromme Juden eine Wohnung suchen, schauen sie als erstes, ob der Himmel über ihnen offen ist. Ist über ihnen nur der Balkon vom Nachbarn, nehmen sie sie nicht!

In der Sukka (singl. von Sukkot) spielt sich das Leben ab: Auf jeden Fall isst man dort miteinander. Viele schlafen auch in den provisorischen Hütten – die Kinder allemal. Was hier auch kein Problem darstellt: Wir hatten diese Woche immer 26 – 29 ° am Tag; um 20° bei Nacht.

Unser Lehrer Ophier Yarden erklärt Sukkot Foto: Gerd Bohlen

Am Sukkot-Morgen gehen die Männer und Frauen allesamt mit 4 Früchten zur Synagoge –alle haben ohne Unterschiede das Gleiche. Das sind die sog. arba minim (von: arba‘ = vier). Auch das geschieht, weil Gott es so vorgegeben hat: „Ihr sollt am 1. Tag Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige von Laubbäumen und Bachweiden.“ (V. 40) Das sind: eine Zitrusfrucht; ein langes Palmblatt, Myrtenzweige und Bachweiden. Mit diesen vier Früchten wird in der Synagoge gebetet. Dafür wird Gott gedankt und gepriesen. Dann werden die Früchte mit beiden Händen in 6 Richtungen geschwenkt: vier Himmelsrichtungen und oben und unten (Himmel und Erde!).

Erntedank auf jüdisch – es ist noch lange nicht zu Ende. Eine Woche lang wird gefeiert. Das wird auch kräftig gemacht. Die Tage gelten als Halb-Feiertage; Behörden und Institutionen haben die ganze Woche geschlossen. Schließlich steht ja geschrieben: „ihr sollt das Fest dem Herrn halten jährlich sieben Tage lang!“ (V. 41)

Shalom - L'Shana Haba'ah B'Yerushalayim ( לשנה הבאה בירושלים ) Nächstes Jahr in Jerusalem.

Euer Gerd Bohlen