„Das kann’s doch nicht sein …“ – ratlos

Nachricht 30. Oktober 2018

Wir sind nach Hebron gefahren. 40 km von Jerusalem - ins Gebiet der palästinensischen Autonomiebehörde. Auch eine geschichtsträchtige Stadt: Hier hat Abraham die Grabhöhle für Sara gekauft (1. Mose 23). Hier sind die Gräber der Patriarchen: Abraham, Sara, Isaak, Rebekka. Eine riesige Grabanlage erinnert daran. Das Gebäude dient zur einen Hälfte als Moschee, zur anderen Hälfte als Synagoge. Aber eine friedliche Koexistenz ist es nicht – dabei erhoffen sich manche, dass gerade Hebron der Ort sein könnte, an dem sich verfeindete Völker wieder versöhnen.

Die Palästinenser leiden. Immer mehr jüdische Siedler drängen in die Stadt; besetzen ein Haus nach dem anderen. Die Läden sind größtenteils zu; die Touristen bleiben aufgrund der angespannten Lage weg. Und einige Siedler machen den Arabern das Leben zur Hölle. Werfen Unrat und faule Eier in die Gassen der Altstadt. Einer, der dort 50 Jahre lang seinen Laden gehabt hat, sagt: Die wollen uns hier vertreiben. Ein junger Mann führt uns durch die Stadt; er hat sich zur Aufgabe gemacht, internationale Besucher auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen. Am Ende bittet er um eine Unterstützung seiner Organisation: Ich gebe ihm 20 Shekel. --- Bedrückt fahren wir zurück.

Am nächsten Tag sprechen uns abends auf dem Rückweg von einem Seminar am Jaffa-Tor in Jerusalem einige Schüler an – vielleicht 6. oder 7. Klasse. Sie werden von 2 Lehrerinnen begleitet. Sie wollen mit ihren ersten Englisch-Kenntnissen internationale Besucher ansprechen. Sie sind hier, um Kuchen zu verkaufen. Mit dem Erlös unterstützen sie die israelischen Soldaten, die im Gaza-Gebiet im Krieg sind. „Damit die Winterkleidung haben und Handy-Telefonate führen können.“ Sie sind voller Leidenschaft für ihre Armee. [Heute morgen berichtet die Jerusalem Post, dass gestern Nacht die Palästinenser 37 Raketen auf Israel gefeuert haben und die israelische Armee im Gegenzug 95 Ziele angegriffen habe. In Gaza leben genauso viele Menschen, wie in ganz Hamburg – aber das Gebiet ist nicht einmal halb so groß!!]

Den Schülern spürt man ab: Es ist ihnen ernst um die Sache. Ich gebe ihnen 20 Shekel – und nehme ein Stück Kuchen. …aber irgendwie bleibt einem der Bissen im Halse stecken.

Das kann’s doch nicht sein! Ich bin ratlos! Alle sind ratlos angesichts dieser Lage … ???

Shalom - L'Shana Haba'ah B'Yerushalayim ( לשנה הבאה בירושלים ) – Nächstes Jahr in Jerusalem.

Euer Gerd Bohlen